Bei erneuten Zusammenstößen mit israelischen Soldaten sind im Gazastreifen nach palästinensischen Angaben vier Palästinenser getötet worden. Israelische Sicherheitskräfte hätten einen 15-Jährigen sowie einen 24-Jährigen und einen 25-Jährigen im Norden des Gazastreifens erschossen, teilten die Gesundheitsbehörden in Gaza mit. Ein 29-jähriger Palästinenser sei im Süden des Gebiets getötet worden. Einer der Toten sei behindert gewesen. 126 weitere Palästinenser seien verletzt worden, davon etwa die Hälfte durch Schüsse. 

Bei den Protesten am vierten Freitag in Folge zündeten junge Palästinenser Dutzende Autoreifen an und präparierten Hunderte Lenkdrachen. Sie lenkten die Drachen nach Israel – mit brennenden Flüssigkeiten sowie arabischen und hebräischen Botschaften wie "Zionisten: Es gibt keinen Platz für Euch in Palästina". Bei ähnlichen Aktionen in den vergangenen Tagen hatten mehrfach Felder in Israel Feuer gefangen, wie die Times of Israel berichtete. Nach palästinensischen Schätzungen ging die Zahl der protestierenden Palästinenser aber weiter zurück – von anfangs mehreren Zehntausend auf am Freitag nur noch mehrere Hundert. Die israelische Armee sprach von etwa 3.000.

Seit Ende März sind bei Massenprotesten an der Gaza-Grenze 37 Palästinenser getötet und Hunderte durch Schüsse israelischer Soldaten verletzt worden. Die israelische Armee hat immer wieder betont, die meisten der Getöteten seien Terroristen gewesen. Es ist der schlimmste Gewaltausbruch seit dem Gaza-Krieg 2014. 

Zu den Protesten gegen die von Israel und Ägypten 2007 verhängte Blockade hatte die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas aufgerufen. Die Blockade soll einerseits den Waffennachschub für ihre militärischen Organisationen unterbinden, andererseits hat sie aber auch Armut und Arbeitslosigkeit in dem dicht besiedelten Gebiet verschärft. Zudem soll während der Feiern zum 70-jährigen Bestehen Israels an die Vertreibung vieler Palästinenser aus dem heutigen jüdischen Staat erinnert werden; viele Nachfahren der Flüchtlinge im Gazastreifen fordern ein "Recht auf Rückkehr". Israel lehnt dies ab.

Die Proteste im Gazastreifen sollen bis zum 15. Mai andauern. Am 14. Mai 1948 wurde der Staat Israel gegründet. Die Palästinenser begehen den 15. Mai als Nakba-Tag ("Tag der Katastrophe"), weil im ersten Nahostkrieg 1948 etwa 700.000 Palästinenser flohen oder vertrieben wurden. Am 14. Mai wollen die USA zudem ihre Botschaft in Jerusalem eröffnen.

Flugblätter warnten vor Teilnahme an Hamas-Protest

Das israelische Militär rief die Palästinenser auf, dem Grenzzaun fern zu bleiben. Wer sich der Sperranlage nähere und sich an den von der radikalislamischen Hamas organisierten Protesten dort beteilige, riskiere sein Leben, hieß es auf Flugblättern, die von Militärflugzeugen am Morgen über dem Palästinensergebiet abgeworfen wurden.

An den vergangenen Freitagen blieben die meisten Protestteilnehmer in den Lagern an der Grenze, während kleinere Gruppen am Zaun Steine und Molotowcocktails warfen und Reifen abbrannten. Eine neue Taktik war es, brennende Drachen in Richtung Israel steigen zu lassen. Viele trugen die Farben der palästinensischen Fahnen, auf mindestens einem war ein Hakenkreuz zu sehen.