Erwartet worden war ein politisch rechtes Bündnis in Italien, jetzt könnte es ganz anders kommen: Auf der Suche nach einer Regierung soll der Präsident der Abgeordnetenkammer von der Protestbewegung Fünf Sterne (M5S), Roberto Fico, ausloten, ob es eine Chance für eine Koalition mit der bisherigen sozialdemokratischen Regierungspartei PD gibt. Der Auftrag dazu wurde Fico von Präsident Sergio Mattarella erteilt, der Fico dafür eine Frist bis Donnerstag setzte.

In der vergangenen Woche waren Gespräche über eine Regierung aus M5S und dem Mitte-rechts-Bündnis um Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi ergebnislos geblieben. Fico hat keine leichte Aufgabe: Die PD war von den Wählern abgestraft worden und plant eigentlich einen Neuanfang in der Opposition. Der Parteivorsitzende und einstige Ministerpräsident Matteo Renzi hatte wegen der Wahlniederlage sein Amt aufgegeben.

Fast zwei Monate nach der Parlamentswahl am 4. März ist somit noch immer unklar, wer das Land regieren wird. Es hatte zwar insgesamt einen Rechtsruck, aber keinen klaren Gewinner gegeben: Die europakritische Fünf-Sterne-Bewegung wurde stärkste Partei, braucht aber einen Partner zum Regieren. Insgesamt hatte die Mitte-rechts-Allianz um die fremdenfeindliche Lega Nord und die konservative Forza Italia von Berlusconi mehr Stimmen. Weil aber kein Lager über eine ausreichende Mehrheit verfügt und diverse Bündnisse von den Parteien ausgeschlossen werden, gestaltet sich die Regierungsbildung äußerst schwierig.

So kann sich die Fünf-Sterne-Bewegung von Luigi Di Maio zwar eine Koalition mit der rechtsextremen Lega von Matteo Salvini oder mit den Sozialdemokraten vorstellen, schließt eine Koalition mit Forza Italia aber aus. Bislang hat keine der Parteien das Angebot Di Maios angenommen, Salvini hält zudem an seinem Bündnispartner Berlusconi fest.