Ex-FBI-Direktor James Comey kennt sich mit Abrechnungen in Schriftform aus. Er diente noch als stellvertretender Justizminister unter Präsident George W. Bush, da erhielt er aus dem Weißen Haus ein Schreiben. Es war die Rechtsauffassung des Präsidenten über ein illegales Abhörprogramm der US-Regierung. Comey reagierte impulsiv, sein Gerechtigkeitsempfinden war gestört: "Das Memo war ein großer gereckter Mittelfinger", erinnert sich Comey in seiner neuen Autobiografie. "Es fehlte nicht viel, und wir hätten auch noch zu lesen bekommen, dass unsere Mütter Huren seien."

14 Jahre später hat Comey, um im Bild zu bleiben, seinen eigenen ausgestreckten Mittelfinger zu Papier gebracht. In seinem Buch Größer als das Amt, das am kommenden Dienstag erscheint, richtet er über jenen Mann, der Comey als "verlogenen Schleimball" bezeichnet hat: US-Präsident Donald Trump.

Comey lässt kein gutes Haar am derzeitigen Chef des Weißen Hauses. Er sei "ein Mann ohne Moral und agiert ohne jede Bindung an die Wahrheit und die Werte unserer Demokratie", schreibt der Ex-FBI-Direktor. Immer wieder kommt er auf einen Vergleich zurück, der den Präsidenten in einem noch düstereren Licht erscheinen lässt: Trump, so Comey, agiere wie ein Mafiaboss.

Dass der Präsident in dem Buch nicht gut wegkommen würde, war zu erwarten. Schließlich war Comey vor ungefähr einem Jahr als FBI-Chef gefeuert worden. Der Geschasste trat kurz darauf vor einem Kongressausschuss auf und erhob schwere Vorwürfe gegen den Präsidenten. Der habe ihn aus dem Amt gejagt, um die Ermittlungen des FBI in der Russland-Affäre zu blockieren, legte Comey damals nah.

Von Anfang an verkorkst

Es ist Herbst 2016. Bereits bei seinem ersten Zusammentreffen mit Trump beschleicht den damaligen FBI-Direktor ein komisches Gefühl. Gemeinsam mit den anderen Chefs der amerikanischen Sicherheitsbehörden unterrichtet er den künftigen Präsidenten über Erkenntnisse hinsichtlich einer russischen Einmischung im Wahlkampf. Doch Trump und sein Team sind an den Erkenntnissen kaum interessiert. Stattdessen beraten sie über eine Kommunikationsstrategie, um möglichst gut in der Öffentlichkeit dazustehen.

Im Anschluss muss Comey den neuen Präsidenten auch noch über den Inhalt des sogenannten Steele-Dossiers aufklären – die Materialsammlung eines ehemaligen britischen Geheimdienstmitarbeiters. In dem Dossier wird unter anderem beschrieben, dass Trump bei einer Moskau-Reise Prostituierte dafür bezahlt haben soll, auf ein Bett zu urinieren, in dem Barack Obama einmal übernachtet hatte.

Trump reagiert irritiert – allerdings vor allem über ein eher nebensächliches Detail: "Wieder stritt er sämtliche Anschuldigungen ab und fragte mich – vermutlich eine rhetorische Frage –, ob ich ihn für einen Typen halte, der die Dienste von Prostituierten in Anspruch nehmen müsse", schreibt Comey. Dann habe der künftige Präsident angefangen aufzuzählen, von welchen Frauen er alles der sexuellen Belästigung beschuldigt worden sei.