Montenegro hat einen neuen Staatspräsidenten: Der Chef der regierenden Demokratischen Partei der Sozialisten (DPS), Milo Đukanović, hat die Präsidentenwahl gewonnen. Nach vorläufiger Auszählung aller abgegebenen Stimmen bekam er 54 Prozent, wie das unabhängige Zentrum für Beobachtung und Forschung bekannt gab. Damit entging Đukanović einer Stichwahl. Sein größter Rivale, der prorussische Kandidat Mladen Bojanić, erreichte 33 Prozent.

Die Abstimmung sei ein "weiterer wichtiger Sieg für Montenegros europäische Zukunft", sagte Đukanović. Das Wahlergebnis sei vor allem eine Bestätigung für das Vorhaben des kleinen Balkanstaats, auf der "europäischen Straße" weiterzugehen. Der 56-Jährige und seine Partei regieren das Land seit fast 30 Jahren. Sie führten Montenegro zur Unabhängigkeit von Serbien und trotz starken Widerstands von Russland 2017 in die Nato.

DPS verlor zuletzt wichtige Städte

Aktuell steht Đukanović in der Kritik: Bei Kommunalwahlen hatte die DPS zuletzt wichtige Städte verloren. Im kommenden Monat stehen in der Hauptstadt Podgorica Gemeindewahlen an, bei denen sich die Opposition bessere Chancen ausrechnet.  

Widersacher Bojanić sagte nach der Wahl, er wolle weiter gegen Đukanović kämpfen. Er werde ihm nicht zum Sieg gratulieren, da dieser das Ergebnis von "Erpressung und Druck" sei. Đukanović halte das Land und dessen Institutionen als "Geisel". Montenegro müsse von dessen "Diktatur" befreit werden.

Die Opposition wirft Đukanović seit Langem vor, Montenegro wie seinen Familienbesitz zu führen. Er herrsche autoritär und habe sein Millionenvermögen auf zweifelhafte Weise mit seiner Nähe zur Mafia aufgebaut, lauten die Vorwürfe. Trotz der Kritik gilt Đukanović für die EU als wichtiger Ansprechpartner.  

Montenegro ist EU-Beitrittskandidat. Aus Sicht der EU-Kommission könnte das Land bereits 2025 beitreten. Dann könnte nach dem Willen der EU-Kommission auch Serbien Teil der Union werden, sollten die nötigen Reformen umgesetzt werden.