Kurdische Kämpfer haben nach eigenen Angaben den deutschen Dschihadisten Mohammed Haydar Zammar im Norden Syriens festgesetzt. Dieser soll der Hamburger Al-Kaida-Zelle um Mohammed Atta eng verbunden gewesen sein. Die Zelle hatte die Anschläge vom 11. September 2001 verübt.

Zammar werde von Kurden in deren Hauptquartier in Rakka verhört, sagte ein Militärsprecher. Ein hochrangiger Vertreter der Miliz YPG sagte, Zammar sei vor einigen Tagen nach längerer Observation im Norden Syriens festgenommen worden. Ob er aktiv als Mitglied einer extremistischen Gruppe in Syrien gekämpft hat, ist nicht bekannt. Die kurdischen Sprecher wollten dazu nichts sagen.

Zammar stammt aus Syrien, als Kind war er nach Hamburg gekommen. Vor Jahrzehnten bekam er einen deutschen Pass. Seit 2002 verdächtigen ihn Fahnder, dass er Attas Terrorzelle unterstützt habe. Er soll für die Al-Kaida rekrutiert haben. Die Bundesanwaltschaft leitete ein Verfahren gegen Zammar wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung ein.

Kurz nach den Anschlägen vom 11. September setzte er sich nach Marokko ab. Dort soll ihn der US-Geheimdienst 2002 entführt und nach Syrien verschleppt haben. Er saß in einer als Foltergefängnis geltenden Haftanstalt ein. 

Untersuchungsausschuss befasste sich mit Zammar

Auch deutsche Sicherheitsbehörden sollen ihn verhört haben. Zammars Gefangennahme war auch Thema des BND-Untersuchungsausschusses des Bundestags. Die Abgeordneten prüften den Verdacht, dass die deutschen Behörden zu wenig taten, um einen Staatsbürger vor Willkür und Folter zu schützen. Der damalige Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte 2008 vor dem Ausschuss vehement den Verdacht zurückgewiesen, die Bundesregierung habe die Verschleppung Zammars durch den US-Geheimdienst CIA in Kauf genommen.

Wegen Zugehörigkeit zur Muslimbruderschaft, die in Syrien verboten ist, wurde er 2007 zu zwölf Jahren Haft verurteilt. 2013 kam er nach Angaben syrischer Quellen bei einem Gefangenenaustausch frei.

Die Hamburger Atta-Zelle von Al-Kaida hatte 2001 vier Flugzeuge in den USA entführt und damit Anschläge in New York und Washington verübt. Dabei starben mehr als 3.000 Menschen.

Im syrischen Bürgerkrieg betrieb Al-Kaida den Ableger Al-Nusra-Front, die sich später von dem Netzwerk lossagte. Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) breitete sich im Norden und Osten Syriens aus, sie bekämpfte zeitweilig auch Al-Nusra. Der IS wurde inzwischen von einer US-geführten Koalition weitgehend vertrieben. Die aus arabischen und kurdischen Kämpfern bestehenden Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) nahmen zuletzt mehrere ausländische IS-Kämpfer in Syrien gefangen. 

Das Auswärtige Amt in Berlin und das Pentagon in Washington machten zunächst keine Angaben zur Festsetzung Zammars.