Donald Trump schadet Russland mehr, als die in Moskau so verhasste Obama-Administration es je getan hatte. Seine Drohung, Russland solle sich auf die "schönen, schlauen Raketen" auf Syrien vorbereiten, war lediglich die letzte Provokationsstufe, auch wenn das Weiße Haus die Drohung wieder abschwächte

Trump hat nach dem Giftanschlag auf den Ex-Agenten Sergej Skripal und dessen Tochter in England 60 russische Diplomaten ausgewiesen und ein Konsulat schließen lassen. Er verhängte harte Sanktionen gegen große russische Unternehmen, die den russischen Rubel und die Börse zum Absturz brachten. Nachdem die unabhängige internationale Chemiewaffenorganisation OPCW die britische Version über die Identität des Nervengifts bestätigt hat, könnten weitere Sanktionen folgen.

Der US-Präsident selbst hält Amerikas Beziehungen zu Russland für "schlechter als im Kalten Krieg". Manche ziehen den Vergleich zur Kuba-Krise 1962, als die Sowjets heimlich atomar bestückte Raketen auf einer Insel unmittelbar vor Amerikas Küste stationiert hatten. In Moskau berichten die Staatsmedien über einen bevorstehenden dritten Weltkrieg. Der Putin-Vertraute Wladimir Jakunin spricht im Fernsehen von einem "globalen heißen Krieg". Sind wir schon so weit?

In Syrien könnten die USA jederzeit die Militäranlagen des von den Vereinten Nationen mehrfach wegen Giftgaseinsatzes überführten Baschar al-Assad mit Raketen angreifen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagt, er habe Beweise, dass Assads Militär auch für den Giftgas-Angriff von Duma verantwortlich sei. Greifen die USA und Frankreich Assad an, wäre das die Eskalation, vor der Russland seit Tagen warnt.

Krieg in Syrien ist entschieden

Putin hat klargemacht, wann eine Grenze überschritten wäre, nämlich bei direkten Angriffen auf seinen Schützling Assad. Konkret meint er damit wohl Assads Regierungsgebäude in Damaskus. Zugleich ist mit dieser Schmerzgrenze auch die Toleranzschwelle markiert, unterhalb derer der beschworene "globale heiße Krieg" ausbleiben könnte. Wenn die USA begrenzt zuschlagen würden, also fernere Militäranlagen außerhalb von Damaskus oder Flughäfen bombardierten, würde der Militärschlag das Assad-Regime nicht direkt in Gefahr bringen. Trump wäre gut beraten, sich an diese Grenze zu halten.

Der Krieg in Syrien ist ohnehin entschieden. Schon Obama wollte dort nicht eingreifen, Donald Trump will eigentlich raus. Anders verhält es sich mit Russland, das mit seiner Militärintervention 2015 Assad rettete. Ihn verteidigt Putin seither mit großem Erfolg. Iranisch finanzierte Milizen haben für Assad das Land zurückerobert und Millionen Syrerinnen und Syrer vertrieben. Russland und Iran haben das Sagen in Syrien – kein Luftkrieg kann daran etwas ändern.

Militärischer Konflikt mit Iran möglich

Die ganz große Eskalation droht weiter östlich. Donald Trump hat ein Ultimatum gegen den Iran verhängt. Sollte das Atomabkommen mit der Regierung Teheran bis Mitte Mai nicht entscheidend im Sinne der USA verbessert werden, will Trump es aufkündigen. Ohne das Atomabkommen ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Iran wieder atomar aufrüstet. In dem Fall würden Israel und Trump eingreifen. Saudi-Arabien, dessen Hauptstadt gerade wieder von Raketen iranischer Herkunft aus Jemen beschossen wurde, würde nicht abseits stehen. Trumps neuer Sicherheitsberater John Bolton träumt seit langer Zeit von einem regime change in Teheran. In einem solchen Fall wäre seine Stunde gekommen. Bei einer Militäraktion wären wohl mit von der Partie: die Israelis, die Saudis und die Vereinigten Arabischen Emirate. Und auf der anderen Seite: Russland, das mit dem Iran in Syrien eng verbündet ist. 

Nicht nur die Konstellation würde diese Auseinandersetzung so gefährlich machen. Auch der Ort ist kritisch: Ein Angriff auf den Iran würde einen militärischen Konflikt am Golf nach sich ziehen, der Tankstelle der Welt.

Ein Krieg um Irans Atomanlagen wäre ein Albtraum für das nahegelegene Europa und die Welt. Deshalb ist es für die EU und Deutschland nun entscheidend, jede Eskalation zu verhindern. Daran werden viele Diplomaten in den nächsten Wochen arbeiten. Der Iran, nicht Syrien, wäre das Endspiel zwischen Amerika und Russland im Nahen Osten.