Es sind die bislang heftigsten sozialen Proteste gegen Nicaraguas amtierende Regierung unter Daniel Ortega, und sie richten sich gegen die geplante Rentenreform der Regierung. Seit Mittwoch gibt es in Managua und den benachbarten Städten Demonstrationen. Am Freitag kam es in der Hauptstadt zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Protestierenden und der Polizei. Die Demonstranten schleuderten Steine auf die Beamten und errichteten Barrikaden, die Sicherheitskräfte feuerten Gummigeschosse in die Menge.

Bei den Krawallen wurden mehrere Menschen getötet und Dutzende verletzt. Regierungsangaben zufolge starben am Donnerstag und Freitag insgesamt mindestens zehn Menschen. Bereits am Mittwoch waren nach offiziellen Angaben drei Menschen getötet worden: zwei junge Demonstranten und ein Polizist.   

Geplante höhere Rentenbeiträge Auslöser der Proteste

Die Reformpläne der Regierung sehen vor, dass die Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern für die Sozialversicherung steigen – mehr als 700.000 Beschäftigte sollen bis zu 22,5 Prozent mehr zahlen als bisher. Zugleich aber sollen die Renten um fünf Prozent gekürzt werden.    

Vizepräsidentin Rosario Murillo, die Ehefrau des Staatschefs Daniel Ortega, kritisierte "Zusammenrottungen" und "Besetzungen" von Demonstranten, die den "Frieden und die Eintracht" im Land zerstören wollten. Murillo erklärte, die Regierung sei zu Gesprächen mit den Demonstranten über die Anhebung der Rentenbeiträge bereit. Präsident Ortega wolle am Samstag einen "offenen Dialog" anbieten, sagte sie. Dies umfasse "alle Themen, auch die soziale Sicherheit (...), denn die Vorschläge sind noch nicht beschlossen".

Der frühere Rebellenkommandeur Ortega hatte bereits nach dem Sieg der sandinistischen Revolution von 1985 bis 1990 regiert und war 2007 an die Macht zurückgekehrt. Er hat sich von seinen sozialistischen Idealen längst verabschiedet und fährt mittlerweile einen eher neoliberalen Wirtschaftskurs. Kritiker werfen ihm vor, eine autoritäre Familiendynastie an der Staatsspitze zu etablieren und öffentliche Gelder über dunkle Kanäle in die Taschen seines Clans zu leiten.