Regierungen weltweit haben die Entscheidung Nordkoreas begrüßt, seine Atom- und Raketentests auszusetzen. Die EU Außenbeauftragte Federica Mongherini nannte den Stopp einen Schritt auf dem Weg zur völligen, nachweisbaren und unumkehrbaren Denuklearisierung Nordkoreas. Sie hoffe auf einen diplomatischen Erfolg der anstehenden Gespräche zwischen Nord- und Südkorea, sowie zwischen Nordkorea und den USA. Die EU werde ihrerseits weiterhin eine Politik des Drucks und der Gesprächsbereitschaft verfolgen. Zuvor hatten bereits US-Präsident Trump, Südkorea, China und Russland den Schritt von Machthaber Kim Jong Un gelobt. Die japanische Regierung zeigte sich dagegen skeptisch.

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lu Kang, erklärte, der Stopp werde helfen, die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel abzubauen und die Denuklearisierung voranzutreiben. "Es ist zu hoffen, dass alle betroffenen Parteien sich in die gleiche Richtung bewegen und konkrete Schritte ergreifen, um nötige Bemühungen zu unternehmen, anhaltenden Frieden und gemeinsame Entwicklung in der Region zu erreichen", sagte Kang. China wolle weiterhin eine vermittelnde Rolle zwischen allen Parteien einnehmen. Das Land ist derzeit der einzige größere Verbündete der nordkoreanischen Regierung. Ferner wünsche China Nordkorea Erfolg bei der angekündigten Entwicklung seiner Wirtschaft und der Anhebung des Lebensstandards.

"Moskau begrüßt die Entscheidung Nordkoreas" sagte ein Sprecher des russischen Außenministeriums der Agentur Interfax. Auch der Außenpolitiker Konstantin Kossatschow äußerte sich auf Facebook positiv. "Das ist eindeutig die Chance auf eine Deeskalation der Spannungen, die sich noch vor ein, zwei Monaten bis an den Rand eines Atomkriegs aufgeschaukelt hatten", schrieb er. Kossatschow forderte die USA auf, Zeichen der Enspannung nach Nordkorea zu senden. Nordkorea müsse sich seinerseits an die Regeln des Atomwaffensperrvertrags halten. Kossatschow ist Vorsitzender des Außenausschusses.

Nordkorea hatte laut Berichten der nordkoreanischen Agentur KCNA einen Stop seiner Atom- und Raketentests angekündigt.  Machthaber Kim Jong Un habe die Entscheidung bei einer Sitzung des Zentralkomitees der Arbeiterpartei verkündet. Man wolle den Willen zur Aussetzung von Atomtests zeigen, außerdem habe Nordkorea bereits erfolgreich Atomwaffen entwickelt. Die Atomtestanlage habe damit ihre Aufgabe erfüllt und werde geschlossen, soll Kim gesagt haben. Stattdessen wolle er sich zukünftig auf die wirtschaftliche Entwicklung konzentrieren. Das ist neu: Bisher war die Strategie der Partei, Militär und Wirtschaft zeitgleich zu entwickeln.

Japan reagierte verhalten

Auch die USA hatten die Entscheidung Nordkoreas begrüßt. "Das sind sehr gute Nachrichten für Nordkorea und die Welt", hatte US-Präsident Donald Trump in der Nacht getwittert. Japan äußerte sich dagegen skeptisch: Zwar sei der von Pjöngjang angekündigte Kurswechsel ein Schritt nach vorne, sagte Regierungschef Shinzo Abe. Es müsse aber genau beobachtet werden, ob dieser Schritt auch wirklich "zur verifizierbaren und unwiderruflichen Zerstörung der Bestände von Atom- und Massenvernichtungswaffen führt".  

Verteidigungsminister Itsunori Onodera wies zudem darauf hin, dass in der Erklärung Nordkoreas nur auf den Teststopp für ballistische Langstreckenraketen Bezug genommen werde – nicht aber auf Tests mit Kurz- und Mittelstreckenraketen, in deren Reichweite sich Japan und Südkorea als Nachbarstaaten befinden. Deshalb sei die Erklärung "unbefriedigend" und "unzureichend".

Der deutsche Nordkorea-Experte und CSU-Politiker Hartmut Koschyk sieht Kims Ankündigung mit gemischten Gefühlen. Machthaber Kim gehe versöhnlich auf die USA zu, sagte er. Allerdings tue er dies aus einer Position der Stärke heraus. "Kim hat sein Ziel erreicht, durch sein für ihn erfolgreiches Nuklearprogramm nun auf Augenhöhe mit den USA über einen Friedensvertrag zu verhandeln." Den Konfliktparteien stünden jetzt langwierige Verhandlungen bevor. Dabei sollten die USA, China, Russland, Südkorea und Japan bestenfalls geeint auftreten: also eine gemeinsame Verhandlungsposition erarbeiteten und durchhalten, sagte Koschyk.