Wenige Tage vor dem geplanten Treffen der beiden koreanischen Staaten hat das südkoreanische Verteidigungsministerium mitgeteilt, die Lautsprecherpropaganda an der Grenze zu Nordkorea zeitweilig auszusetzen. Mit diesem Schritt wolle man erreichen, "militärische Spannungen zwischen dem Süden und dem Norden abzubauen und ein Klima für friedliche Gespräche zu schaffen", hieß es in einer Mitteilung.

Damit schallen zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren keine Propagandabotschaften oder laute Musik aus Südkorea mehr in Richtung Norden. Das südkoreanische Militär hatte die Lautsprecherdurchsagen zuletzt im Januar 2016 wieder aufgenommen und reagierte damit auf einen Atomtest in Nordkorea. Die damalige Präsidentin Südkoreas, Park Geun Hye, hatte die Beschallung mit lauter Popmusik und Kritik am Regime von Machthaber Kim Jong Un als "wirksamstes Mittel der psychologischen Kriegsführung" bezeichnet.

Auch Nordkorea hat an der koreanischen Grenze Lautsprecher positioniert, aus denen Propaganda schallt. Dass auch der Norden seine Propagandabotschaften gestoppt habe, konnte nach Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums nicht bestätigt werden.

Für Freitag ist ein Treffen des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un festgesetzt. Im Grenzort Panmunjeom wollen die beiden Staatschefs zum dritten gesamtkoreanischen Gipfeltreffen seit Ende des Koreakrieges (1950–1953) zusammenkommen.

In der Nacht zum Samstag hatte die Führung Nordkoreas überraschend den vorläufigen Stopp seiner Atomversuche und Tests mit Interkontinentalraketen bekannt gegeben. Auch diese Entscheidung wird als Signal zur Entspannung der diplomatischen Beziehungen gedeutet.

Nordkoreas Handel mit China sinkt

Für Ende Mai oder Juni ist auch ein Gipfeltreffen von Kim Jong Un mit US-Präsident Donald Trump geplant. Die USA fordern von Nordkorea, sein Atomprogramm vollständig aufzugeben. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA erklärte am Sonntag, der Druck auf Nordkorea werde so lange aufrechterhalten, bis eine maßgebliche nukleare Abrüstung vollzogen sei.

Möglicherweise hat auch die wirtschaftliche Situation in Nordkorea Einfluss auf das versöhnliche Verhalten der Regierung: Im ersten Quartal 2018 ging der Handel zwischen Nordkorea und seinem wichtigsten Unterstützer China erheblich zurück. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank das Handelsvolumen in den ersten drei Monaten 2018 um 60,6 Prozent, wie aus neu veröffentlichten Daten der Zollbehörde in Peking hervorgeht. Chinas Importe aus dem Nachbarland fielen demnach um 86,3 Prozent auf knapp 67 Millionen Dollar. Nach Nordkorea exportiert wurden im ersten Viertel dieses Jahres Waren im Wert von 414 Millionen Dollar – ein Minus von mehr als 40 Prozent.