Der Sohn des ehemaligen Privatsekretärs von Diktator Alfredo Stroessner hat in Paraguay die Präsidentenwahl gewonnen. Nachdem fast alle Stimmzettel ausgezählt waren, teilte das Wahlamt am Sonntag mit, dass der Kandidat Mario Abdo Benítez 46,5 Prozent der Stimmen erreichte. Sein Rivale von der Mitte-links-Koalition Ganar, Efraín Alegre, erhielt demnach 42,7 Prozent.

"Marito", wie sich der 46-jährige Wahlgewinner in Abgrenzung zu seinem gleichnamigen Vater nennt, übernimmt den Posten von Präsident Horacio Cartes. Der durfte gemäß der Verfassung des Landes nicht noch einmal antreten. Abdo wird aber voraussichtlich die liberale Wirtschaftspolitik des scheidenden Amtsinhabers weiterführen.

Die Colorado-Partei, der Abdo angehört, regiert seit rund 60 Jahren fast ununterbrochen das Land. Nur einmal musste sie während der Präsidentschaft des "Armenbischofs" Fernando Lugo zwischen 2008 und 2012 in die Opposition.

Ein Großteil von Paraguays Bevölkerung lebt in Armut. Allerdings hat sich die Situation zuletzt etwas verbessert. Dazu beigetragen haben vor allem zwei Exportprodukte der paraguayischen Wirtschaft: Soja und Elektrizität. Das Land ist der fünftgrößte Soja-Exporteur der Welt. 2017 produzierte es mit knapp sieben Millionen Einwohnern mehr als acht Millionen Tonnen an Soja-Gütern. Das verschaffte Paraguay ein anhaltendes Wirtschaftswachstum von durchschnittlich fünf Prozent. Die großen Wasserwerke von Itaupú und Yacyretá versorgen zudem den brasilianischen und argentinischen Markt.

Zweitgrößter Marihuana-Produzent der Welt

Paraguay hat nach wie vor mit Kriminalität zu kämpfen. Das Land ist nach Mexiko der zweitgrößte Marihuana-Produzent der Welt. Der Großteil wird von kriminellen Organisationen aus Brasilien außer Landes geschmuggelt. Im Grenzgebiet zu Brasilien operiert zudem die linke Guerilla-Organisation EPP, die sich immer wieder Gefechte mit den Sicherheitskräften liefert und Menschen entführt.

Neben dem Staatschef wurden am Sonntag auch die 45 Senatsmitglieder und die 80 Abgeordneten des Parlaments sowie die 17 Gouverneure neu gewählt. Der neue Präsident soll seine fünfjährige Amtszeit am 15. August antreten.