Südkoreas frühere Präsidentin Park Geun Hye ist wegen Korruption und weiterer Vergehen zu 24 Jahren Haft verurteilt worden. Das Bezirksgericht in Seoul befand die 66 Jahre alte Tochter des früheren Militärdiktators Park Chung Hee schuldig, ihre Machtbefugnisse als Präsidentin für private Zwecke missbraucht zu haben. Richter Kim Se Yoon verurteilte sie neben der Gefängnisstrafe auch zur Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 18 Milliarden Won (knapp 14 Millionen Euro).

Park-Anwälte wollen Berufung prüfen

Ein Anwalt der Ex-Präsidentin kritisierte das Urteil "sehr schlecht" und kündigte an, sich um ein Berufungsverfahren zu bemühen. Er glaube, dass das Berufungsgericht und das Oberste Gericht des Landes zu einem anderen Urteil kommen werden, sagte Kang Cheol Gu. Man werde nun schauen, ob ihre Mandantin bereit für ein Berufungsverfahren ist, sagte Kang. Dann werde entschieden, ob man in Berufung geht.

In der Nähe des Gerichts demonstrierten Tausende Anhänger von Park in der südkoreanischen Hauptstadt gegen das Urteil. Sie trugen südkoreanische und US-amerikanische Flaggen und Schilder, auf denen unter anderem die sofortige Freilassung der Ex-Präsidentin gefordert wurde.

Urteil live im TV übertragen

Park war im Dezember 2016 wegen des weitverzweigten Korruptionsskandals vom Parlament abgesetzt worden. Kurz nachdem das Verfassungsgericht ihre Amtsenthebung im März 2017 bestätigt hatte, war sie festgenommen worden. Seitdem saß sie in einer Haftanstalt bei Seoul in Untersuchungshaft – und boykottierte ihren Prozess. Seit Oktober war sie Gerichtsterminen ferngeblieben. Auch zur Urteilsverkündung, die erstmals live im südkoreanischen Fernsehen übertragen wurde, erschien sie nicht im Gerichtssaal und ließ dies über ihre Anwälte mit einer Erkrankung begründen.

Am stärksten zur Last gelegt wird Park, dass sie gemeinsam mit ihrer langjährigen Vertrauten Choi Soon Sil Bestechungs- und Erpressungsgelder in Höhe von 77,4 Milliarden Won (59 Millionen Euro) von Unternehmen eingestrichen haben soll. Gezahlt oder zumindest zugesagt wurde ihnen das Geld laut der Staatsanwaltschaft vor allem von drei südkoreanischen Konzernen: Samsung, Lotte und SK. Die Anklage hatte insgesamt 30 Jahre Haft für Park gefordert.

Die zweite Schlüsselfigur in dem Skandal ist die umstrittene Park-Freundin Choi, die bereits im Februar zu 20 Jahren Haft verurteilt worden war. Sie hatte kein offizielles Regierungsgeschäft inne, Park soll ihr aber eine regelmäßige Einmischung in Regierungsgeschäfte erlaubt und gar die Weitergabe von Geheimdokumenten der Regierung an ihre Freundin angeordnet haben. Dazu gehört auch eine schwarze Liste von regierungskritischen Kulturschaffenden.