Nach monatelanger Verzögerung hat der US-Senat Richard Grenell als US-Botschafter für Deutschland bestätigt. Die Abgeordneten stimmten mit 56 zu 42 Stimmen für den 51-Jährigen. Auch sechs Demokraten stimmten für ihn. Grenell gilt als einer der ersten und stärksten Unterstützer von Trumps außenpolitischem Kurs. Zuletzt warf er Deutschland vor, sich nicht an Militäreinsätzen zu beteiligen.

Andere Vertreter der Demokraten begründeten ihren Widerstand gegen Grenell unter anderem mit "abfälligen Kommentaren" über Frauen auf Twitter. Senator Bob Menendez fragte: "Wird er diese Dinge auch tun, wenn er bestätigt ist und nach Deutschland geht? Wird er über seinen Twitter-Account die weibliche Kanzlerin von Deutschland beleidigen? Ich weiß nicht. Ich hoffe, nicht."

Bedenken gegen Grenell gab es auch deshalb, weil er die Affäre um mutmaßliche russische Einmischungen in den US-Wahlkampf und eine mögliche Verwicklung von Trump-Mitarbeitern in diese Interventionen als aufgeblasen bezeichnet hat. Eine Sprecherin von Oppositionssenator Jeff Merkley erklärte nach Angaben des Senders CNN, Grenells Äußerungen zu der Affäre seien "doppelt besorgniserregend, weil Deutschland einer unserer engsten und wichtigen Verbündeten bei der Zurückdrängung der russischen Aggression auf der Weltbühne ist".

Grenell trat oft als Kommentator beim konservativen Sender Fox News auf, arbeitete aber er auch für die Sender CBS und CNN, für Politico oder die Huffington Post. In der Amtszeit des US-Präsidenten George W. Bush zwischen 2001 bis 2008 war Grenell Sprecher für vier UN-Botschafter der USA. 2012 arbeitete Grenell kurzzeitig für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney. Er soll ein großes internationales Netzwerk haben. Auf seiner Homepage rühmt er sich vieler Kontakte zu Hollywoodstars.

Die USA hatten nach dem Abgang von John Emerson im Januar 2017 keinen Botschafter in Berlin. Trump ernannte Grenell im September für den Posten, aber die Bestätigung im Senat zog sich hin. Der Präsident soll Berichten zufolge zuletzt persönlich Druck ausgeübt haben, um die Personalie noch vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Weißen Haus an diesem Freitag vom Tisch zu haben.

Botschafter in einem schwierigen deutsch-amerikanischen Verhältnis

Grenell kommt in schwierigen Zeiten nach Berlin: Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind schlecht. Der 51-Jährige gilt als einer der ersten und stärksten Unterstützer von Trumps außenpolitischem Kurs. Er hat wiederholt sehr irankritische und proisraelische Positionen vertreten. Nach dem gemeinsamen Militärschlag der USA, Frankreichs und Großbritanniens in Syrien schrieb er auf Twitter, dass Deutschland sich an dem Angriff hätte beteiligen sollen.

Grenell hatte sich schon positiv über Trump geäußert, als die meisten anderen Republikaner den politischen Newcomer noch rundweg ablehnten.