Russland soll seit mehreren Jahren den Einsatz von Gift an Türen erprobt haben. Das schreibt die britische Regierung in einem Brief an die Nato-Partner. Daraus geht weiter hervor, dass Russland die E-Mail-Accounts von Julija Skripal seit 2013 überwacht.

Die britischen Ermittler hatten an der Eingangstür des Skripalschen Hauses eine hohe Konzentration des Nervengifts Nowitschok festgestellt. Dass es sich um das in der ehemaligen Sowjetunion entwickelte Gift handelt, daran hatten britische Wissenschaftler zuletzt keinen Zweifel. Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) bestätigte die Ergebnisse der britischen Behörden.

In dem Schreiben des nationalen Sicherheitsberaters Großbritanniens, Mark Sedwill, an Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg heißt es, man sehe sich durch die OPCW bestätigt. Nur Russland verfüge über die "technischen Mittel, die Einsatzerfahrung und ein Motiv für den Angriff auf die Skripals". Es sei unwahrscheinlich, dass ein nicht-staatlicher Akteur, etwa eine kriminelle oder terroristische Vereinigung, das Gift Nowitschok hergestellt haben könnte. Deshalb vermute Großbritannien Russland hinter dem Giftangriff.

Das Gift Nowitschok sei in den Achtzigerjahren in einem Labor in Schichany entwickelt worden, schreibt Sedwill. Unter dem Codenamen "Foliant" sei an einem Chemiewaffenprogramm gearbeitet worden, Nowitschok sei ein Teil davon gewesen. Russland ist den Briten zufolge noch heute in der Lage, das Gift herzustellen und einzusetzen. Auch im vergangenen Jahrzehnt seien geringe Mengen des Gifts hergestellt und gelagert worden.

"Legitime Ziele für Attentate"

Zudem habe Russland ein Motiv, den russischen Ex-Spion Sergej Skripal vergiften zu wollen. Laut Sedwill würden einige Abtrünnige Russlands als "legitime Ziele für Attentate" angesehen.

Skripal ist ein ehemaliger russischer Spion, der Informationen an westliche Geheimdienste weitergab. Deshalb saß er im russischen Gefängnis, bevor er 2010 im Rahmen eines Agentenaustauschs zwischen den USA und Russland freikam und nach Großbritannien zog.

Skripal und seine Tochter Julija waren am 4. März im englischen Salisbury bewusstlos aufgefunden worden. Sie sind mittlerweile nicht mehr in kritischem Zustand. Julija Skripal hat das Krankenhaus diese Woche verlassen. Zu dem Giftangriff äußerten sich beide nicht.