Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat Großbritannien und den USA im Fall Skripal die Verbreitung von "Lügen und Desinformation" vorgeworfen. Die britischen Anschuldigungen, dass Russland wahrscheinlich hinter dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal und seine Tochter am 4. März stecke, seien eine "verrückte und schreckliche Provokation", sagte Lawrow am Montag in Moskau. "Vor allem Großbritannien, die USA und zahlreiche Staaten, die ihnen blind folgen, haben jeden Anstand verloren." Zu Zeiten des Kalten Krieges habe man sich zumindest noch an bestimmte Regeln gehalten, so der Minister. 

Lawrow argumentierte, Moskau habe kein Motiv für einen Angriff auf Skripal. Stattdessen könnten britische Geheimdienstbehörden etwas mit der Vergiftung von Vater und Tochter Skripal zu tun gehabt haben, sagte der Minister. Der Fall habe geholfen, öffentliche Aufmerksamkeit von den schwierigen Brexit-Verhandlungen der britischen Regierung abzulenken.

Skripal arbeitete mehrere Jahre für den russischen Militärgeheimdienst GRU. In den Neunzigerjahren spionierte er in Malta und Spanien für Russland, später ließ er sich vom spanischen und britischen Auslandsgeheimdienst anwerben. 2004 wurde er von Russland enttarnt und wegen Hochverrats zu Lagerhaft verurteilt. 2010 kam Skripal im Rahmen eines Agentenaustauschs zwischen den USA und Russland frei und zog nach Großbritannien.

Hunderte Diplomaten ausgewiesen

Am 4. März 2018 wurde Skripal beim Verlassen seines Hauses in Salisbury mit Nowitschok vergiftet. Seitdem liegen er und seine Tochter Julija im Krankenhaus. Es folgte eine schwere diplomatische Krise zwischen Russland, Großbritannien und diversen weiteren westlichen Staaten, die sich mit den Briten solidarisierten. Großbritannien, die USA, Deutschland und viele weitere Staaten wiesen insgesamt 140 russische Diplomaten aus ihren Ländern aus. Moskau verwies als Gegenmaßnahme ebenso viele Diplomaten des Landes.

Lawrow sagte, es sei noch offen, ob Moskau zusätzliche Sanktionen gegen den Westen verhängen werde. "Wie weit wir alle gehen, hängt nicht von uns ab", sagte er russischen Agenturen zufolge. "Wir wollen diese Kinderspiele nicht." Der Westen setze aber genau auf dieses Druckmittel. Mit den Ausweisungen werde lediglich die Möglichkeit geschmälert, eine Lösung des Konflikts auf diplomatischer Ebene zu finden, sagte Lawrow.

Er hoffe, dass sich der Zustand von Sergej Skripal bald bessere, so der Minister weiter. Gleichzeitig habe Moskau noch immer keinen Kontakt zu Julija Skripal, die russische Staatsbürgerin ist. "Es ist empörend, dass alle unsere Forderungen unbeantwortet bleiben und wir immer noch keinen Zugang zu ihr bekommen", sagte der Außenminister.