Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) kommt bei der toxikologischen Untersuchung im Fall des früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal zum gleichen Ergebnis wie Großbritannien. Bei einer Untersuchung von Blutproben von Skripal und seiner Tochter Julija seien die "Untersuchungsergebnisse Großbritanniens in Bezug auf die Identität der toxischen Chemikalie bestätigt" worden, teilte die OPCW in einem in London vorgelegten Kurzbericht mit.

Das verwendete Gift wird darin nicht benannt, es zeichnete sich nach Angaben der Experten aber durch eine "hohe Reinheit" aus. Ein vollständiger Bericht, der allerdings geheim ist, soll den Unterzeichnerstaaten der OPCW zur Verfügung gestellt werden. Die britische Regierung berief für den 18. April ein Treffen der OPCW ein, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Russland bestreitet Verwicklung

Die Briten machen Russland für den Giftanschlag vom 4. März verantwortlich. An dem Tag waren die Skripals bewusstlos auf einer Parkbank im südenglischen  Salisbury gefunden und in ein Krankenhaus gebracht worden, wo der Ex-Agent noch immer behandelt wird. Seine Tochter wurde vor wenigen Tagen entlassen.

Die britische Premierministerin Theresa May hatte gesagt, Vater und Tochter seien mit einer Substanz der Nowitschok-Gruppe vergiftet worden. Der Stoff wurde in den 1970er und 1980er Jahren in der Sowjetunion entwickelt.

Russland weist jede Verantwortung für den Giftanschlag zurück. In einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates in New York hatte der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja einen Propagandakrieg gegen sein Land beklagt. Die britische UN-Botschafterin Karen Pierce hatte entgegnet, die Londoner Regierung habe im Einklang mit internationalen Konventionen gehandelt.

Der Streit hat zu einem diplomatischen Zerwürfnis geführt: Mehr als 150 russische Diplomaten wurden aus zahlreichen Ländern ausgewiesen. Russland reagierte mit der Ausweisung der gleichen Zahl von Diplomaten aus den jeweiligen Staaten.