Der armenische Ministerpräsident Sersch Sargsjan hat nach tagelangen Massenprotesten seinen Rücktritt angekündigt. Er gab seinem Widersacher von der Opposition, Nikol Paschinjan, Recht und schrieb in einer Rücktrittserklärung, einer Lösung der Situation nicht im Wege stehen zu wollen.

Das Parlament hatte Sargsjan nach zehn Jahren als Präsident in der vergangenen Woche  zum Regierungschef der Kaukasus-Republik gewählt, weil seine Partei bei einer Parlamentswahl Anfang April stärkste Kraft geworden war. Zuvor waren per Verfassungsänderung viele Vollmachten des Präsidenten auf den Ministerpräsidenten übertragen worden. Sargsjan selbst hatte die Verfassungsänderung vorangetrieben.

Tagelang hatten Armenier gegen die Wahl Sargsjans und die von ihm durchgesetzte Verfassungsreform protestiert. Kritiker werfen ihm vor, sich an die Macht zu klammern. Am Sonntagmorgen waren Oppositionsführer Paschinjan und zwei weitere Parlamentarier verhaftet worden. Den Protesten gegen den Regierungschef schlossen sich zuletzt auch Soldaten an. Paschinjan ist mittlerweile wieder frei. Umringt von Anhängern schloss er sich den Demonstranten an.

Schon am Freitagabend waren mehr als 200 Menschen festgenommen worden. Am Samstag waren erneut 50.000 Menschen gegen die Regierung auf die Straße gegangen. 

Die Verfassungsreform war im Dezember 2015 per Referendum gebilligt worden. Sie trat nun in Kraft. Sie wertet das Amt des Ministerpräsidenten deutlich auf. Die wahre Macht in Armenien liege damit weiterhin bei dem vom Kreml unterstützten Sargsjan, argumentierten seine Gegner. Die Änderung machte Sargsjan ihrer Auffassung nach de facto zum Herrscher auf Lebenszeit.