Fünfzehn Monate nach seinem Amtsantritt hat US-Präsident Donald Trump erstmals einen offiziellen Staatsgast empfangen: seinen französischen Amtskollegen Emmanuel Macron, der mit seiner Frau Brigitte am Montagnachmittag in Washington eintraf. Die beiden Staatsmänner wollen am Dienstag und Mittwoch zahlreiche Themen der internationalen Politik besprechen, darunter die Lage in Syrien, die Zukunft des Atomabkommens mit dem Iran und die Auseinandersetzungen um die Bedingungen für den weltweiten Handel.

Mit der Auswahl seines ersten Staatsgastes setzt Trump ein Zeichen. Den beiden Präsidenten wird ungeachtet teils sehr unterschiedlicher Auffassungen zu Politik und Politikstil ein gutes persönliches Verhältnis nachgesagt. Macron hatte den US-Präsidenten und die First Lady im Sommer 2017 zum französischen Nationalfeiertag eingeladen; Trump war so beeindruckt, dass er im November seine eigene Militärparade abhalten will. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist hingegen am Freitag lediglich zu einem Arbeitsbesuch nach Washington eingeladen.

Macron wird am Mittwoch eine Rede vor den Mitgliedern von Senat und Abgeordnetenhaus im Kapitol halten. Eine ähnliche Ehre war im Jahr 1960 dem damaligen französischen Präsidenten Charles de Gaulle zuteil geworden. An den politischen Gesprächen sollen auch Trumps neuer nationaler Sicherheitsberater John Bolton sowie mehrere Minister teilnehmen.

Teil des Staatsempfangs war am Montagabend ein Dinner im Anwesen des ersten US-Präsidenten, George Washington. Das Areal vor den Toren der US-Hauptstadt wird derzeit als Museum genutzt. Trump und Macron ließen sich wie ihre Frauen mit Golfkarren übers Gelände chauffieren. Zuvor hatten sie im Garten des Weißen Hauses eine Steineiche gepflanzt. Der Baum stammt aus einem Wald im französischen Aisne, wo zum Ende des Ersten Weltkriegs Tausende US-Soldaten getötet wurden.

Macron dürfte versuchen, seine Beziehung zu Trump auch politisch zu nutzen: Er wird dem US-Präsidenten voraussichtlich vor allem hinsichtlich des Atomdeals mit dem Iran ins Gewissen reden. Die Europäer fürchten, dass die USA im Mai aus dem Abkommen aussteigen werden. Zuletzt hatte Frankreich zudem deutlich gemacht, dass die EU-Länder nicht mit US-Zöllen belegt werden dürften, wenn sie andererseits als Partner der USA im Kampf gegen unredliche Praktiken in China auftreten sollen.