Nach den Raketenangriffen auf zwei Militärstützpunkte in Syrien hat der syrische Machthaber Baschar al-Assad eine "Eskalation der Angriffe" auf sein Land kritisiert. Assad warf "verfeindeten Ländern" vor, zu direkter Aggression übergegangen zu sein. Diese Eskalation stärke aber nur die "Entschlossenheit der Syrer, gegen den Terrorismus zu kämpfen und die Souveränität des Landes zu bewahren", sagte Assad.

Der syrische Präsident hatte sich zuvor mit einer iranischen Delegation getroffen. Der Iran ist neben Russland und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah der wichtigste Verbündete Assads und hat Tausende Mitglieder der Revolutionsgarden sowie schiitischer Milizen nach Syrien entsandt und unter anderem viele Waffen nach Syrien geschickt. Israel sieht dies als Bedrohung und hat angekündigt, keine dauerhafte iranische Militärpräsenz in Syrien hinzunehmen. Für den Abend hat Premier Benjamin Netanjahu eine Rede dazu angekündigt.

In den vergangenen Jahren hatte die israelische Luftwaffe bereits zahlreiche Angriffe auf iranische Stützpunkte und Waffenkonvois für die libanesische Hisbollah-Miliz geflogen. Am Sonntagabend dann sollen laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bei Raketenangriffen auf Militärstützpunkte in den Provinzen Hama und Aleppo 26 regierungstreue Kämpfer getötet worden sein, unter ihnen zahlreiche Iraner. In dem bombardierten Gebiet sind auch mit Syrien verbündete iranische Truppen stationiert. Verschiedene Staatsmedien äußerten die Vermutung, Israel stecke hinter den Angriffen und habe iranische Stellungen bombardieren wollen.

Der Iran dementierte über seine Nachrichtenagentur Isna, dass auch iranische Soldaten getötet worden seien. Isna selbst hatte jedoch zuvor unter Berufung auf ausländische Quellen von 18 toten Iranern berichtet. Das israelische Militär kommentiert derartige Vorgänge grundsätzlich nicht.

Israel fordert Iran zum Rückzug aus Syrien auf

Der israelische Geheimdienstminister Israel Katz forderte jedoch: "Der Iran muss sich aus Syrien zurückziehen." Israel habe auf allen Ebenen eindeutig klargemacht, dass es dem Aufbau einer iranischen Front im Norden Syriens nicht zustimmen werde. Man werde "alles unternehmen, was notwendig ist". Stunden vor den Angriffen hatte Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman erklärt, die Streitkräfte behielten sich weitere Einsätze in Syrien vor. Israel hat immer wieder betont, es werde keinesfalls dulden, dass sein Erzfeind Iran sich dauerhaft militärisch im Nachbarland Syrien festsetzt. Das israelische Sicherheitskabinett hat eine Dringlichkeitssitzung angesetzt.

Die Situation in Syrien

IHS Conflict Monitor, New York Times. Stand: 13. April 2018. Grafik: Matthias Holz/ZEIT ONLINE

Anfang April waren bei einem mutmaßlich israelischen Luftangriff auf die syrische Militärbasis T-4 14 Menschen getötet worden, unter ihnen sieben Iraner. Fünf Tage später attackierten die USA, Großbritannien und Frankreich zudem drei syrische Militäreinrichtungen als Vergeltung für einen mutmaßlichen Chemiewaffenangriff Assads in der Rebellenbastion Duma, bei dem laut Rettungskräften mehr als 40 Menschen getötet wurden.

Die Raketenangriffe in Syrien haben die Sorge vor einem direkten militärischen Konflikt zwischen Israel und dem Iran genährt. Ex-Militärgeheimdienstchef Amos Jadlin warnte vor dem Risiko einer direkten und offenen Konfrontation zwischen Israel und dem Iran. Gleichzeitig hält er es für möglich, dass Teheran angesichts des starken Drucks seine Kräfte in Syrien wieder reduzieren könnte. Es gebe auch interne Kritik im Iran an der militärischen Etablierung in Syrien, sagte Jadlin. "Außerdem üben die Russen Druck aus." Es sei nicht im Interesse Moskaus, dass die Rettung des syrischen Herrschers Baschar al-Assad durch einen militärischen Konflikt zwischen Israel und dem Iran gefährdet werde.