Die syrische Armee hat eine Rebellenenklave bei Damaskus bombardiert und kommt damit nach eigenen Angaben der Eroberung der gesamten Hauptstadtregion immer näher. Ziel der Angriffe sei ein von islamistischen Aufständischen gehaltenes Gebiet, berichteten das staatliche Fernsehen und die der Opposition nahestehende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Die Armee von Präsident Baschar al-Assad geht seit vergangener Woche gegen die radikalislamische IS-Miliz verstärkt vor. Ihre Kämpfer haben sich wie weitere Rebellengruppen in ihren letzten Stellungen verschanzt. Regierungstruppen hatten bereits die Region Ostghuta nahe Damaskus vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Zahlreiche Kämpfer gaben auf und wurden in Gebiete in Nordsyrien gebracht, die von Aufständischen kontrolliert werden.

Nordöstlich der Hauptstadt gaben vor einigen Tagen Aufständische in zwei weiteren Enklaven auf. Auch am Montag sei der Abtransport der Kämpfer mit Bussen fortgesetzt worden, berichteten staatliche Medien.

Um das Leid der Zivilisten in den Kriegsregionen zu lindern, drängen Helfer vor der Syrien-Geberkonferenz in Brüssel auf eine größere Unterstützung. Bis Jahresende benötige das UN-Welternährungsprogramm 650 Millionen US-Dollar, sagte der Syrien-Landesdirektor des UN-Welternährungsprogramms, Jakob Kern. Allein für die etwa sechs Millionen Vertriebenen in Syrien seien 313 Millionen nötig, für den Libanon und Jordanien, wo weitere rund 5,6 Millionen syrische Flüchtlinge lebten, etwa 300 Millionen US-Dollar.

Die Situation in Syrien

Die Situation in Syrien

Quelle: IHS Conflict Monitor, New York Times. Stand: 13. April 2018. Grafik: Matthias Holz/ZEIT ONLINE


Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte den UN-Organisationen weitere Unterstützung zu. Deutschland versuche, sich als verlässliche Kraft zu präsentieren und seinen Beitrag zu leisten, sagte Merkel vor einem Gespräch mit UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi. Dieser kündigte bis Jahresende einen weltweiten UN-Pakt für Flüchtlinge an.

Auf der Syrien-Geberkonferenz ab Dienstag in Brüssel wollen sich EU und UN über die notwendige Nothilfe für das Bürgerkriegsland verständigen sowie Möglichkeiten für Friedensgespräche ausloten. Zuletzt hatten die USA, Frankreich und Großbritannien Ziele in dem Land bombardiert, da das Regime von Baschar al-Assad Giftgas gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt haben soll.

Das Welternährungsprogramm habe seine Hilfe in Syrien bereits reduzieren müssen, da die Mittel nur noch bis September reichten. Man versorge statt vier nur etwa drei Millionen Bedürftige, sagte Syrien-Landesdirektor Kern. Zudem benötige es eine lange Vorlaufzeit, um Lebensmittel in das Land zu bringen. Das Hilfswerk braucht Kern zufolge 900 Millionen US-Dollar Unterstützung pro Jahr, hat bislang jedoch nur rund 500 Millionen erhalten. Etwa die Hälfte davon kommt aus Deutschland.

UN-Ernährungsprogramm warnt

Nach Angaben der Landesdirektoren für Jordanien und den Libanon, Ralf Südhoff und Dominik Heinrich, spitzt sich auch in den aufnehmenden Ländern die Lage zu. So sei der Druck auf die Bevölkerung sowie den Arbeits- und Wohnungsmarkt in Libanon enorm, sagte Heinrich. Die internationale Gemeinschaft dürfe nicht riskieren, dass in dem bislang recht stabilen Land die Lage eskaliere. In Jordanien, ergänzte Südhoff, litten die Menschen unter einer Wirtschaftskrise und Wasserarmut. Dies erschwere die Aufnahme von Flüchtlingen zusätzlich.

Die Welthungerhilfe warnte vor einer Katastrophe, insbesondere in der syrischen Provinz Idlib. Bis zu 700.000 Menschen könnten dort von drohenden Kämpfen betroffen sein, sagte Präsidentin Bärbel Dieckmann.

In einer Erklärung, die unter anderem Care, Oxfam und Handicap International unterzeichnet haben, beklagen die Hilfswerke, dass etwa 2,7 Millionen Kinder teils seit Jahren keine Schule besuchten. Ärzte ohne Grenzen warnte zudem vor einer mangelhaften medizinischen Versorgung von Flüchtlingen in Jordanien.