Syrische Rebellen und Zivilisten haben ihren Abzug aus der letzten von ihnen kontrollierten Stadt in Ostghuta begonnen. Das teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete, zwei Busse mit Anhängern der Rebellengruppe Dschaisch al-Islam und ihren Familien hätten die Stadt Duma verlassen. Sie sollten demnach in Richtung Norden in von der Opposition kontrolliertes Gebiet fahren. Die Evakuierung der Stadt Duma war mit russischer Hilfe ausgehandelt worden.

Die in den letzten Tagen ruhiger gewordenen Kämpfe in Duma waren am Freitagabend erneut eskaliert. Zuvor hatten sich Oppositionsgruppen und Regierung schon auf einen Abzug geeinigt, allerdings forderten Teile der Rebellengruppe Dschaisch al-Islam, in Duma zu bleiben, was abgelehnt wurde.

Bei den Kämpfen wurden womöglich auch chemische Waffen eingesetzt. Hilfsorganisationen und Aktivisten warfen der Armee vor, am Samstagabend eine Bombe mit Giftgas über Duma abgeworfen zu haben. Nach unterschiedlichen Angaben sollen dabei zwischen 70 und mehr als 150 Menschen getötet worden sein. Russland und die syrische Führung wiesen die Vorwürfe als "fabrizierte Anschuldigungen" und "Provokation" zurück. 

Der UN-Sicherheitsrat will sich am Montag mit dem Vorfall befassen. Die USA beantragten die Dringlichkeitssitzung mit acht weiteren Staaten, darunter auch die ständigen Ratsmitglieder Frankreich und Großbritannien. 

Die EU hält die Berichte über einen Chemiewaffenangriff für glaubwürdig. Alles deute darauf hin, dass die syrische Regierung erneut Chemiewaffen eingesetzt habe, erklärte der Auswärtige Dienst der EU in Brüssel. Die EU forderte Russland und den Iran als Unterstützer von Syriens Machthaber Baschar al-Assad dazu auf, ihren Einfluss zu nutzen, weitere derartige Angriffe zu verhindern.

Die USA, Großbritannien, die Türkei sowie zahlreiche andere Staaten verurteilten den mutmaßlichen Giftgasangriff. Die Internationale Organisation für ein Chemiewaffenverbot (OPCW) müsse den Vorfall untersuchen. Es wäre nicht der erste Angriff mit chemischen Waffen auf Zivilisten, der der syrischen Armee vorgeworfen wird. Die syrische Regierung bestreitet den Einsatz von Giftgas.

Beobachter sprechen von mehr als 1.600 Toten in Ostghuta

Zusammen mit russischer Unterstützung hatte die syrische Armee in den vergangenen Wochen den Großteil des in der Nähe von Damaskus gelegenen Rebellengebietes Ostghuta erobert. Inzwischen kontrolliert sie eigenen Angaben zufolge 95 Prozent des Gebietes. Bei den Kämpfen sind laut Beobachtern mehr als 1.600 Zivilistinnen und Zivilisten getötet worden. Zudem haben nach UN-Angaben mehr als 130.000 Menschen die Region verlassen.

Unterdessen wächst in den USA nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff und einer Gegendrohung von Donald Trump der Druck auf den US-Präsidenten. Der republikanische Senator Lindsey Graham sprach von einem "entscheidenden Moment" in Trumps Präsidentschaft. Trump könne nun die Entschlossenheit zeigen, die sein Vorgänger Barack Obama nie gezeigt habe, sagte Graham dem Sender ABC.

Trump hatte zuvor Moskau und Teheran via Twitter eine Mitverantwortung an dem mutmaßlichen neuen Giftgasangriff in Syrien gegeben und Syriens Präsident Baschar al-Assad als "Tier" bezeichnet. Gleichzeitig kündigte er an, es sei dafür ein "hoher Preis" zu zahlen. Graham sagte nun, dies dürfe keine leere Drohung bleiben, ansonsten erscheine der US-Präsident in den Augen Russlands und des Iran als schwach.