Nach dem westlichen Angriff auf Ziele in Syrien sieht Russland einem Medienbericht zufolge keinen Grund mehr, auf die Lieferung von neuen Abwehrraketen an Präsident Baschar al-Assad zu verzichten. Jede moralische Verpflichtung für einen Verzicht sei nun hinfällig, meldete die Nachrichtenagentur Ria Nowosti unter Berufung auf Außenminister Sergej Lawrow.

Lawrow zufolge habe die russische Führung "auf Bitten bestimmter Partner" einst darauf verzichtet, das Flugabwehrsystem S-300 an das syrische Regime zu liefern. An diese Bitten fühle man sich nun, zehn Jahre später, nicht mehr gebunden, wird Russlands Außenminister zitiert. Welche Partner er meinte, ließ Lawrow offen, er fügte aber hinzu: "Jetzt stehen wir moralisch nicht mehr in der Pflicht."

Lawrow reagiert damit auf die Bombardierungen von Zielen in Syrien, die die USA, Großbritannien und Frankreich am vergangenen Samstag durchgeführt haben und die auch von Deutschland unterstützt wurden. In einem von der Linksfraktion beauftragten Gutachten kommt der wissenschaftliche Dienst des Bundestags allerdings zu dem Ergebnis, die Militärschläge seien völkerrechtswidrig gewesen. "Der Einsatz militärischer Gewalt gegen einen Staat, um die Verletzung einer internationalen Konvention durch diesen Staat zu ahnden, stellt einen Verstoß gegen das völkerrechtliche Gewaltverbot dar", heißt es in dem elfseitigen Schreiben.

Derweil startete die syrische Armee in der Nacht zum Freitag neue Angriffe gegen die letzte verbliebene Rebellenenklave bei Damaskus. Zuvor war ein Ultimatum an die dort ansässigen Islamisten verstrichen. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte aus Großbritannien teilte mit, dass Stellungen der Aufständischen in Jarmuk und al-Hadschar al-Aswad aus der Luft und mit Geschützen beschossen worden seien.

Das Gebiet wird vor allem von Kämpfern der Extremistengruppen "Islamischer Staat" und Dschabhat Fatah al-Scham kontrolliert. Das rund acht Kilometer vom Zentrum der Hauptstadt entfernte Jarmuk war vor Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 das größte Palästinenserlager in Syrien. Die meisten Einwohner sind geflohen.

Bereits am Donnerstag begann der Abzug von Aufständischen aus Dumair nordöstlich von Damaskus. Die Rebellen im nahe Dumair gelegenen Ostkalamun erklärten sich ebenfalls zum Abzug bereit.