Die USA haben ihre gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich ausgeführten nächtlichen Luftschläge in Syrien zum Erfolg erklärt. US-Generalstabsleiter Kenneth F. McKenzie sagte, man sei zuversichtlich, dass alle Flugkörper ihre Ziele getroffen hätten. Nach Einschätzung des US-Verteidigungsministeriums haben die Angriffe Syriens Möglichkeiten zur Herstellung von Chemiewaffen stark eingeschränkt.

Auch Pentagon-Sprecherin Dana White erklärte, der Einsatz sei erfolgreich gewesen. US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter: "Ein perfekt ausgeführter Schlag letzte Nacht. Danke an Frankreich und das Vereinigte Königreich für ihre Klugheit und die Macht ihres guten Militärs. Hätten kein besseres Ergebnis haben können. Mission erfüllt!"

McKenzie wiederholte die Darstellung, wonach drei Ziele angegriffen worden seien: eine Forschungseinrichtung in Barsah nördlich von Damaskus, eine Lagerstätte westlich der Stadt Homs sowie ein weiteres Depot nahe Homs. Insgesamt seien 105 Geschosse abgefeuert worden. Es gebe aktuell keinen Hinweis darauf, dass das russische Luftabwehrsystem eingesetzt worden sei. Auch wisse man nichts von getöteten Zivilisten, sagte der US-General.  

Die USA, Frankreich und Großbritannien hatten in der Nacht zu Samstag gezielte Luftangriffe in Syrien geflogen. Die Attacken waren eine Reaktion auf einen mutmaßlichen Giftgaseinsatz durch das syrische Regime in der Provinz Ostghuta östlich von Damaskus. Der Westen macht die syrische Regierung für den Chemiewaffeneinsatz in der bis vor Kurzem noch von Rebellen gehaltenen Region verantwortlich. Russland wirft Großbritannien vor, den Angriff eingefädelt zu haben.

Russland kritisiert "neokoloniales Auftreten"

Scharfe Kritik kam aus Russland. Präsident Wladimir Putin beantragte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates in New York. Russland scheiterte jedoch deutlich mit einem Resolutionsentwurf, der vorsah, die Angriffe der USA, Frankreichs und Großbritannien zu verurteilen. In dem Text werden die Raketenabwürfe als "Aggression" und als "Verletzung des internationalen Rechts und der UN-Charta" bezeichnet. Ihm stimmten drei von 15 Mitgliedsstaaten zu.

Zuvor hatte auch der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja den Angriff als eine aggressive Aktion der USA und ihrer Alliierten bezeichnet. Die USA machten eine bereits katastrophale humanitäre Situation in Syrien noch schlimmer, sagte er. Die von Washington betriebene Eskalation destabilisiere den gesamten Nahen Osten.

Unverhohlen ignorierten die USA und ihre Verbündeten internationales Recht, sagte Nebensja weiter. Dies sei neokoloniales Auftreten und erinnere an das Verhalten von "Hooligans". Der Sicherheitsrat werde völlig ignoriert, seine Autorität unterminiert.

Nebensja sagte, es gebe keinerlei Beweise für den Einsatz chemischer Waffen vergangene Woche in der Stadt Duma, wie es der Westen der syrischen Regierung vorwirft. Er fragte, ob die USA ein einstmals prosperierendes Land in die Steinzeit zurückbomben wollten. 

Die Botschafterin der USA bei den UN, Nikki Haley, erwiderte, sollten die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad nochmals Giftgas einsetzen, werde das US-Militär mit neuen Angriffen reagieren. "Wenn unser Präsident eine rote Linie zieht, dann verschafft unser Präsident dieser roten Linie Geltung", so Haley. 

Deutschland plädiert für diplomatische Lösung

UN-Generalsekretär António Guterres hatte zu Beginn der Sitzung erneut zur Zurückhaltung aufgerufen. Es müsse alles vermieden werden, was die Situation in Syrien weiter eskalieren lasse, so Guterres.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief Trump und Putin auf, eine Friedensinitiative für Syrien zu starten. Der Bild am Sonntag sagte Steinmeier: "Die großen Mächte tragen größere Verantwortung. Hier muss ein erster Schritt erfolgen, das sind Putin und Trump der Welt schuldig." Fänden Russland und die USA keinen Weg zueinander, seien die Chancen auf eine Verbesserung der Lage in Syrien "gleich Null".

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) warb für einen "neuen, kraftvollen Einstieg" in eine Verhandlungslösung für den Konflikt. Nur eine politische Lösung werde dauerhaften Frieden bringen, sagte Maas in Berlin. Die Bundesregierung werde alle diplomatischen Mittel nutzen, um die Verhandlungen voranzubringen, auch im Dialog mit Russland, sagte der Außenminister. Zusammen mit Frankreich wolle sich Deutschland für ein internationales Format einflussreicher Staaten einsetzen, um den Prozess voranzubringen. Weiter plädierte Maas für eine dauerhafte Waffenruhe, humanitäre Hilfe und eine Übergangsregierung. Die Zerstörung der Chemiewaffen in Syrien müsse vor allem von den UN überwacht werden. 

Warnungen vor weiterer Eskalation

Viele europäische Politiker hatten zuvor Verständnis für die Angriffe geäußert. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte, die internationale Gemeinschaft habe die Pflicht, "diejenigen zu ermitteln und zur Verantwortung zu ziehen, die verantwortlich für jeglichen Angriff mit Chemiewaffen sind". Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass das syrische Regime Chemiewaffen gegen Zivilisten eingesetzt habe, so Juncker. "Aber es muss das letzte Mal gewesen sein."

EU-Ratspräsident Donald Tusk sagte, die EU werde mit ihren Verbündeten auf der Seite der Gerechtigkeit stehen. "Angriffe durch die USA, Frankreich und Großbritannien machen deutlich, dass das syrische Regime gemeinsam mit Russland und Iran diese menschliche Tragödie nicht fortsetzen kann, zumindest nicht ohne Preis", sagte Tusk.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuvor erklärt: "Der Militäreinsatz war erforderlich und angemessen, um die Wirksamkeit der internationalen Ächtung des Chemiewaffeneinsatzes zu wahren und das syrische Regime vor weiteren Verstößen zu warnen." Deutschland unterstütze es, "dass unsere amerikanischen, britischen und französischen Verbündeten als ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrats in dieser Weise Verantwortung übernommen haben".

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy bezeichnete die Luftschläge der Verbündeten als "legitim und verhältnismäßig". "Was in den vergangenen Tagen in Syrien geschehen ist, geht weit über die andauernde Verletzung von Waffenruhen hinaus", sagte Rajoy.

Italiens Ministerpräsident Paolo Gentiloni warnte vor einer weiteren Eskalation der Lage in dem Bürgerkriegsland. "Dies war eine begrenzte und gezielte Aktion, um die Fähigkeit zu treffen, chemische Waffen zu bauen oder zu verbreiten. Es kann und sollte nicht der Beginn einer Eskalation sein."

Belgiens Regierung erklärte, man verurteile jeden Einsatz von Chemiewaffen scharf, da sie eine eklatante Verletzung von internationalem Recht seien. Daher sei die Reaktion der Partnerländer verständlich. Tschechiens Ministerpräsident Andrej Babiš bezeichnete den Schlag gegen das syrische Regime als "unumgänglich".