Knapp eineinhalb Jahre nach der Ermordung des russischen Botschafters Andrej Karlow in Ankara hat ein türkisches Gericht Haftbefehle gegen acht weitere Verdächtige erlassen. Wie die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldet, werden die Personen des vorsätzlichen Mordes an Karlow und des versuchten Umsturzes der türkischen Verfassung verdächtigt. Anadolu zufolge gab es bereits zuvor neun Festnahmen im Zusammenhang mit dem Mord.

Unter den Gesuchten ist dem Bericht zufolge auch der islamische Prediger Fethullah Gülen. Ermittler hätten Verbindungen zwischen dem Mörder des Botschafters, dem 22-jährigen türkischen Polizisten Mevlüt Mert Altıntaş, und Gülen entdeckt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan macht die Gülen-Bewegung sowohl für den Anschlag als auch für den versuchten Militärputsch vom Juli 2016 verantwortlich. Der 76 Jahre alte Prediger lebt seit knapp 20 Jahren im US-amerikanischen Exil.

Außerdem erging laut Anadolu ein Haftbefehl gegen Şerif Ali Tekalan, der in Istanbul eine mit der Gülen-Bewegung verbundene Universität leitete. Mittlerweile steht Tekalan einer Universität im US-Bundesstaat Texas vor. Unklar blieb zunächst, ob sich einige der Gesuchten derzeit in der Türkei aufhalten.

Der Polizist Altıntaş hatte Karlow am 19. Dezember 2016 bei der Eröffnung einer Ausstellung in Ankara erschossen. Er gab an, aus Rache für das russische Vorgehen im Syrien-Krieg gehandelt zu haben. Der Attentäter wurde wenig später von der Polizei erschossen. Die türkische Regierung hatte bereits einige Tage nach der Tat erstmals durchblicken lassen, sie vermute die Gülen-Bewegung hinter dem Anschlag.

Am Dienstag wird der russische Präsident Wladimir Putin zu Gesprächen mit Erdoğan in der Türkei erwartet.