Russland hat bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats die Echtheit des mutmaßlichen Giftgasangriffs in Syrien in Frage gestellt. Russische Ermittler hätten keine Belege für einen solchen Angriff gefunden, sagte Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja in New York. Rebellen hätten den Angriff lediglich inszeniert. Aktivisten zufolge sollen bei dem Angriff auf die Stadt Duma im Rebellengebiet Ostghuta mehr als 150 Menschen getötet und rund 1.000 verletzt worden sein.

Die Berichte aus Duma über einen Angriff seien "Fake News". Nicht ein einziger Bewohner habe bestätigt, dass ein Chemiewaffenangriff stattgefunden habe. Experten der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) sollten umgehend in die Region reisen, um sich ein eigenes Bild von der Lage vor Ort zu machen, sagte Nebensja. Die russischen und syrischen Truppen würden ihnen Zugang zu der Region ermöglichen.

Russland warnte den Westen vor einer militärischen Reaktion. Bewaffnete Angriffe würden schwere Folgen haben, sagte Nebensja. "Wir fordern den Westen auf, seine kriegerische Rhetorik zu unterlassen", fügte Nebensja hinzu. Der Kreml habe die Regierung in Washington gewarnt, dass er keine Gefährdung russischer Soldaten auf syrischem Boden dulden werde.

Der UN-Sicherheitsrat beriet am Montag auf Antrag der USA, Frankreichs, Großbritanniens und sechs weiterer Länder über den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff in Duma. Bei dem Angriff auf das Rebellengebiet soll die syrische Armee Chlorgas eingesetzt haben. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, wiederholte in der Sitzung die Möglichkeit einer militärischen Reaktion. "Wir haben den Punkt erreicht, an dem die Welt sehen muss, dass in Syrien der Gerechtigkeit genüge getan wird", sagte sie. 

Haley warf Russland vor, nach dem Vorfall "Blut an den Händen" zu haben. Unabhängig von der Reaktion der Weltgemeinschaft würden die USA handeln, kündigte sie an. Zugleich warnte sie davor, dass der Einsatz von Chemiewaffen zur Normalität werden könnte. Der Sicherheitsrat müsse nun "seine Pflicht erfüllen oder sein völliges und komplettes Versagen dabei demonstrieren, das syrische Volk zu schützen."

Der UN-Sonderbeauftragte Staffan de Mistura forderte eine rasche und unabhängige Aufklärung des mutmaßlichen Angriffs. Giftgasangriffe seien "extrem besorgniserregend" und stellten einen Bruch internationalen Rechts dar. "Wir sehen keine Deeskalation, wir sehen das Gegenteil", sagte De Mistura, und forderte den Rat zum raschen Handeln auf.