Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach der Rückkehr von ihrem Treffen mit US-Präsident Donald Trump mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und der britischen Premierministerin Theresa May telefoniert. Merkel, Macron und May forderten den US-Präsidenten anschließend auf, von "handelspolitischen Maßnahmen gegen die Europäische Union" abzusehen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Andernfalls sei die EU bereit, "im Rahmen der multilateralen Handelsordnung entschlossen ihre Interessen zu vertreten".

In dem Streit geht es um Einfuhrzölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte, die die USA im März mit dem Verweis auf Sicherheitsinteressen erlassen hatte. Trump hatte weder nach dem Besuch des französischen Präsidenten noch nach dem Treffen mit Merkel vor wenigen Tagen erkennen lassen, ob er die Europäer dauerhaft von den Importzöllen der USA auf Stahl und Aluminium ausnehmen könnte. Am 1. Mai läuft die Schonfrist ab, die Trump den Europäern gewährt hat.

Zugleich sprachen Merkel, May und Macron sich erneut für einen Verbleib der USA im Nuklearabkommen mit dem Iran aus. Die Politiker bekräftigten demnach ihre Bereitschaft, mit allen Beteiligten zusätzliche Vereinbarungen auszuarbeiten. Dabei solle es insbesondere um das ballistische Raketenprogramm des Iran sowie um seine Rolle in der Region gehen.

Trump hatte wiederholt gedroht, das Atomabkommen mit dem Iran aufzukündigen. Zuletzt nannte er die Führung des Iran "ein mörderisches Regime". Aufgrund gesetzlicher Vorgaben muss Trump bis zum 12. Mai entscheiden, ob er die durch das Abkommen ausgesetzten Sanktionen gegen den Iran wieder einführt. 

Nach Angaben seines Nationalen Sicherheitsberaters John Bolton ist Trump noch unentschlossen. Bolton sagte am Sonntag im US-Fernsehsender Fox, der US-Präsident prüfe derzeit den Vorschlag des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, Verhandlungen über ein erweitertes neues Abkommen mit dem Iran zu führen.

US-Außenminister Mike Pompeo nutzte seine erste Reise in den Nahen Osten für einen Aufruf zum gemeinsamen Vorgehen gegen den Iran. "Der Iran destabilisiert die gesamte Region", sagte er am Sonntag nach einem Treffen mit dem saudi-arabischen Außenminister Adel al-Dschubair in Riad. Saudi-Arabien und der Iran kämpfen um die Vorherrschaft in die Region.