Die USA haben zusammen mit Großbritannien und Frankreich Ziele in Syrien angegriffen. Die Streitkräfte würden "Präzisionsschläge" gegen Ziele vornehmen, die mit den Chemiewaffen von Syriens Machthaber Baschar al-Assad in Zusammenhang stünden, hatte der US-Präsident Donald Trump davor angekündigt.

Der russische US-Botschafter Antonow warnte die USA kurz nach Beginn der Luftangriffe, dass "solche Aktionen nicht ohne Konsequenzen bleiben". Das russische Außenministerium erklärte, die westlichen Angriffe kämen zu einem Zeitpunkt, an dem Syrien gerade eine Chance auf eine friedliche Zukunft gehabt habe.

Laut US-Medien waren an dem Einsatz Schiffe und Flugzeuge beteiligt. Augenzeugen berichteten kurz nach Trumps Ansprache von mehreren schweren Explosionen in der syrischen Hauptstadt Damaskus.

Generalstabschef des US-Militärs Joseph Dunford sagte, eine Forschungseinrichtung bei Damaskus sei bombardiert worden. Als weiteres Ziel sei ein Kommandozentrum und eine Lagerstätte nahe Homs angegriffen worden. Im Lager sei Sarin aufbewahrt worden. Die Ziele wurden laut Dunford ausgewählt, um weitere Giftgasangriffe zu vermeiden. Laut russischen Angaben wurden keine Ziele in der Nähe russischer Stützpunkte getroffen.

Insgesamt verwendete die Allianz laut eigenen Angaben doppelt so viele Waffen wie beim US-Luftangriff im vergangenen Jahr, der ebenfalls als Vergeltungsaktion gegen einen Giftgasangriff begründet wurde. Der Einsatz sei mittlerweile beendet, teilte das Pentagon mit. Es seien vorerst keine weiteren Angriffe geplant. Die Operation war damit kleiner, als viele Beobachter befürchtet hatten.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, die Luftabwehr des Landes bekämpfe die "amerikanisch-britisch-französische Aggression". Es seien 13 Raketen abgefangen worden.

Nach offiziellen syrischen Angaben sind mindestens drei Zivilisten verletzt worden. Die Opfer habe es bei der Bombardierung in der Region Homs gegeben, weil eine Rakete umgelenkt worden sei. Aus syrischen Armeekreisen hieß es, bei dem Angriff auf ein Waffendepot in Homs im Zentrum des Landes seien sechs Soldaten verletzt worden. Die Angriffe auf eine Forschungseinrichtung bei Damaskus habe nur zu Sachschäden geführt.

Trump sagte, die Angriffe seien eine Vergeltung für den Einsatz chemischer Waffen durch die syrische Regierung unter Baschar al-Assad gegen das eigene Volk. "Dies sind nicht die Taten eines Menschen", sagte Trump. "Es sind die Verbrechen eines Monsters." Die USA seien darauf vorbereitet, weitere Angriffe zu fliegen, sollte Syrien den Einsatz von Giftgas nicht beenden.

Die USA suchten keine dauerhafte Präsenz eigener Bodentruppen in Syrien, sagte Trump. Sie blieben für die Region ein "Partner und ein Freund", aber das Schicksal der Region liege in der Hand der Völker vor Ort.

Kritik an Russland

An Russland und den Iran gerichtet fragte Trump: "Was für eine Art Nation würde im Zusammenhang stehen wollen mit dem Massenmord an unschuldigen Männern, Frauen und Kindern?" Laut dem Pentagon wurde Russland vor dem Angriff nicht über die genauen Ziele informiert. Es habe lediglich Kommunikation über den regulären Kanal zwischen dem russischen und amerikanischen Militär zur Vermeidung von Zwischenfällen über Syrien gegeben.

Die britische Premierministerin Theresa May sagte, es habe "keine gangbare Alternative zum Einsatz der Streitkräfte gegeben", um das syrische Regime vom Einsatz der Chemiewaffen abzuschrecken. Die militärische Antwort sei ein "begrenzter und gezielter Schlag". Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte, man könne den Gebrauch chemischer Waffen nicht tolerieren. Sie stellten eine Gefahr für das syrische Volk und "unsere gemeinsame Sicherheit" dar.

Die syrische Armee ist schon seit Tagen in voller Alarmbereitschaft und hatte sich am Mittwoch von weiteren Stützpunkten zurückgezogen. Am Dienstag verließ die Armee einige Militärbasen, um einer möglicherweise bevorstehenden Attacke der USA und seiner Verbündeten Frankreich und Großbritannien weniger Angriffsfläche zu bieten.

Luftangriffe in Syrien

Luftangriffe in Syrien

Quelle: Conflict Monitor, New York Times. Stand: 14. April 2018. Grafik: ZEIT ONLINE

Begonnen hatte die Eskalation mit einem mutmaßlichen Giftgasangriff auf die letzte damals noch von Rebellen kontrollierte Stadt Duma in der Region Ostghuta am 7. April. Dabei sollen der Hilfsorganisation Weißhelme zufolge mindestens 42 Menschen getötet worden sein. Mehr als 500 Personen wurden demnach in Krankenhäusern behandelt.

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) entsandte Experten nach Duma. Sie wollen von Samstag an untersuchen, ob dort tatsächlich Chemiewaffen eingesetzt wurden. Ihr Auftrag lautet jedoch nicht, die Verantwortlichen zu ermitteln.

Russland hatte den Vorfall als inszenierte Provokation Großbritanniens eingestuft. "Wir haben Beweise, dass Großbritannien an der Organisation dieser Provokation in Ostghuta direkt beteiligt ist", sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums.