Der oberste politische und religiöse Führer des Iran hat die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump zum Ausstieg aus dem internationalen Atomabkommen als "dumm" bezeichnet. "Mister Trump, ich sage Ihnen im Namen des iranischen Volkes: Sie haben einen Fehler gemacht", hieß es auf der offiziellen Website von Ajatollah Ali Chamenei. Trump habe in seiner Rede einige "dumme und oberflächliche Aussagen" gemacht und "vermutlich mehr als zehn Lügen" erzählt.

Chamenei hatte dem Atomabkommen, das 2015 geschlossen wurde, nur widerwillig zugestimmt und den USA wiederholt öffentlich vorgeworfen, sich nicht an die gemachten Zusagen zu halten. Ähnlich begründete Trump am Dienstag in umgekehrter Weise seine Entscheidung: Der Iran habe entgegen seinen Versprechungen über die Ziele seines Nuklearprogramms gelogen, das Regime in Teheran habe sein Streben nach Atomwaffen fortgesetzt. Er verfüge über den "definitiven Beweis", sagte Trump. Genauer äußerte er sich dazu aber nicht.

Direkt nach seiner Ansprache hatte Trump ein Memorandum unterzeichnet, um Sanktionen, die auf Basis des Atomabkommens ausgesetzt worden waren, wieder in Kraft zu setzen. Darauf hatte der iranische Präsident am Dienstagabend direkt reagiert: Im Staatsfernsehen sagte Hassan Ruhani, die Entscheidung sei eine "historische Erfahrung" für sein Land. Die USA hätten nie ihre Verpflichtungen erfüllt.

"Tod Amerika" im Parlament in Teheran

Im iranischen Parlament verbrannte am Mittwoch ein konservativer Abgeordneter eine Papierversion der US-Fahne. Ein anderer Abgeordneter schloss sich ihm an und setzte eine Kopie des Nuklearabkommens in Brand.

Chamenei hatte bereits damit gedroht, die Vereinbarung zu "verbrennen", sollte Trump sie "zerreißen". Die konservativen Hardliner im Land haben das Abkommen schon immer abgelehnt. Am Mittwoch stimmten sie im Parlament Sprechchöre vom "Tod Amerikas" an – ein traditioneller Slogan seit der Revolution 1979. Parlamentssprecher Ali Laridschani mahnte sie, vorsichtig zu sein – und nicht das Parlament in Brand zu setzen.

Das Atomabkommen mit dem Iran wurde 2015 von Russland, China, Frankreich, Großbritannien, Deutschland und den USA geschlossen. Die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens wollen nun versuchen, das Abkommen zu retten. Am kommenden Montag werden sie sich gemeinsam mit Vertretern des Iran beraten, ob und wie das Abkommen auch ohne die USA fortgeführt werden kann. 

Der Iran will die Vereinbarung zunächst beibehalten, macht das aber davon abhängig, ob er wirklich die versprochenen wirtschaftlichen Vorteile erhält. Dies hat die EU zugesagt: Die Sanktionen blieben ausgesetzt, solange der Iran seine Verpflichtungen erfülle, hieß es. Auch die anderen Mitunterzeichner des Abkommens, Russland und China, kritisierten den Ausstieg der USA.