Der ukrainische Ministerpräsident Wladimir Groisman macht die russische Regierung für den Mord an dem kremlkritischen russischen Journalisten Arkadi Babtschenko in Kiew verantwortlich. "Ich bin überzeugt, dass die russische totalitäre Maschinerie ihm seine Ehrlichkeit und Prinzipientreue nicht verziehen hat", schrieb Groisman auf Facebook. Die Suche der ukrainischen Polizei nach dem Täter verlief bislang ergebnislos.

Der im ukrainischen Exil lebende Journalist und Schriftsteller war am Dienstag vor seiner Kiewer Wohnung von einem Unbekannten erschossen worden. Er hatte in seinen Artikeln die Annexion der Halbinsel Krim durch Russland und den verdeckten russischen Krieg in der Ostukraine kritisiert. Der Fall gehört zu einer Reihe ungeklärter Morde an russischen Dissidenten in der Ukraine.

"Das ist der Gipfel des Zynismus"

Der russische Außenminister Sergej Lawrow wies die Vorwürfe aus der Ukraine zurück. Es sei traurigerweise Mode geworden, nach solchen Vorfällen sofort Russland zu beschuldigen. Das liege daran, dass sich die Ukraine "einer völligen Straffreiheit seitens ihrer westlichen Aufpasser" erfreue, unterstellte er. Der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow, nannte Vorwürfe dieser Art den "Gipfel des Zynismus". Die Ukraine sei ein "sehr gefährlicher Ort" für Journalisten geworden. Der Kreml hoffe auf "wahrhaftige Ermittlungen" zu den Drahtziehern der Tat, sagte Peskow.

Anfang 2017 hatte Babtschenko seine Heimat Russland verlassen, nachdem er nach eigenen Angaben Drohungen erhalten und Angst bekommen hatte, in Gewahrsam genommen zu werden. Er zog zunächst nach Prag und ließ sich dann in der ukrainischen Hauptstadt Kiew nieder.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte während seines Besuchs in der Ukraine die Tat. Er forderte eine umfassende Aufklärung und sagte: "Wir müssen Bedingungen schaffen, dass Journalisten überall auf der Welt ihre Arbeit ohne Gefahr für Leib und Leben verrichten können."

Nachtrag vom 30. Mai 2018: Einen Tag nach der Todesmeldung der ukrainischen Polizei wurde bekannt, dass Arkadi Babtschenko lebt. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Journalisten teilte der ukrainische Geheimdienst mit, Babtschenkos Tod sei inszeniert worden, um einen tatsächlich geplanten Anschlag zu vereiteln.