1. Droht eine direkte militärische Konfrontation zwischen Israel und Iran?

Israels Führung beunruhigt neben dem Atomthema vor allem die massive iranische Präsenz im Nachbarland Syrien. Rund 3.000 Revolutionäre Garden hat Teheran derzeit im Einsatz, die dort auf Dauer stationiert bleiben sollen. Hinzu kommen mindestens 10.000 vom Iran rekrutierte und bezahlte Milizionäre, überwiegend Irakern und Afghanen. Seit Monaten führt Israel bereits einen unerklärten Krieg gegen diese iranische Militärmacht, der in den kommenden Monaten dramatisch eskalieren könnte. Der bisher schwerste Zwischenfall ereignete sich im Februar, als Tel Avivs Luftwaffe über den Golanhöhen eine iranische Drohne vom Himmel holte. Als Vergeltung flogen israelische F-16 Kampfjets Angriffe gegen iranische Stellungen in Syrien. Auf dem Heimflug jedoch gelang es der syrischen Luftabwehr, einen der Jets abzuschießen. Noch am Abend der Trump-Rede bombardierten israelische Kampfjets erneut die Revolutionären Garden, diesmal einen Stützpunkt nahe Damaskus, bei dem mindestens acht Iraner starben.

Unklar ist, wie sich die russische Regierung in diesem Konflikt verhalten wird, die mit Israel eine direkte Hotline zu Syrien unterhalten. Premierminister Benjamin Netanjahu reiste am Mittwoch nach Moskau. Denn dem Kreml könnte Netanjahus härterer Kurs durchaus gelegen kommen, weil er den iranischen Ambitionen in Syrien Grenzen setzt. Umgekehrt kann allein die russische Luftabwehr den israelischen Jets wirklich gefährlich werden. Und so wird sich Israel hüten, das Assad-Regime oder russische Einrichtungen direkt anzugreifen.

2. Was bedeutet Trumps Konfrontation mit dem Iran für den Jemen?

In der Auseinandersetzung Irans mit seinen regionalen Widersachern am Golf könnte der Krieg im Jemen eine zentralere Bedeutung bekommen. Bislang hielt sich die iranische Waffenhilfe für die Huthi-Rebellen in Grenzen. Allerdings halfen Irans Spezialisten offenbar dabei, die alten Mittelstreckenraketen aus den Beständen der jemenitischen Armee zielgenauer und weitreichender zu machen. Mehr als 130 Geschosse haben die Huthis in letzter Zeit auf Saudi-Arabien abgefeuert, gemessen an den über 100.000 Raketenangriffen der Saudis eine geringe Zahl. Mindestens zwei Raketen schlugen auf dem internationalen Flughafen von Riad ein.

Auch in der Nacht nach der Trump-Rede wurden wieder zwei Geschosse auf die saudische Hauptstadt abgefeuert, die jedoch abgefangen werden konnten. Eine Verhandlungslösung rückt jetzt in noch viel weitere Ferne. Denn der Iran dürfte nicht mehr bereit sein, politisch auf die Huthis einzuwirken, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

3. Wie wird sich die Hisbollah verhalten?

Eine große Unbekannte in den neu heraufziehenden regionalen Turbulenzen ist die libanesische Hisbollah. Die Schiitenmiliz, die als der wohl kampfstärkste Verband in der arabischen Welt gilt, verfügt angeblich über ein Raketenarsenal von mehr als 100.000 Geschossen, die auch Tel Aviv erreichen können.

Sollte es wegen des iranischen Nuklearprogramms zu direkten Luftangriffen Israels auf die Islamische Republik kommen, könnte die Hisbollah als langjähriger Statthalter des Iran in der arabischen Welt ihrerseits das Feuer auf Israel eröffnen. Doch dies wird sich die Führung der radikalen Miliz sehr genau überlegen. Denn Israel drohte im Falle eines solchen Angriffes bereits mit einer breitflächigen Zerstörung der libanesischen Infrastruktur. 

4. Wie hoch ist die Gefahr eines atomaren Wettrüstens am Golf?

Einen Vorgeschmack darauf gab vor Kurzem bereits der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman. Saudi-Arabien wolle keine Atombombe besitzen, versicherte er, "wenn der Iran aber eine baut, werden wir, ohne jeden Zweifel, so schnell wie möglich nachziehen". Wie die Islamische Republik besitzt auch Saudi-Arabien Uran, was sich auf ein waffenfähiges Niveau anreichern ließe, einer der beiden technologischen Wege zur Bombe. 16 Atommeiler will das Königshaus in den nächsten beiden Jahrzehnten bauen lassen. Anders als sein engster Bundesgenosse, die Vereinigten Arabischen Emirate, deren erster Reaktorblock kürzlich fertig wurde, will Saudi-Arabien jedoch weder auf die Urananreicherung verzichten noch auf eine Wiederaufarbeitung, bei der Plutonium anfällt – der andere Weg zur Bombe.

Die Saudis sträuben sich vor allem mit Verweis auf die Türkei und Ägypten, die ihre künftigen Atomkraftwerke in Russland kaufen. Beide lehnen jede Einschränkung bei Anreicherung oder Wiederaufarbeitung ab – und der russischen Regierung ist das egal. Auch in der Vergangenheit hat Saudi-Arabien bereits internationale Atomregeln verletzt. Das saudische Königshaus finanzierte das Atomprogramm von Pakistan, was sich wie Indien und Israel bis heute dem internationalen Atomwaffensperrvertag entzieht. Zudem besitzt Riad Raketen, mit denen sich Atomsprengköpfe verschießen lassen.

5. Was bedeutet Trumps Entscheidung für das Machtgefüge im Iran?

Irans Hardliner frohlocken, sie hat der Atomvertrag von Anfang an gestört. Sie haben an dem Sanktionsregime prächtig verdient und fürchten eine gesellschaftliche Öffnung ihres Landes. Sie fühlen sich jetzt bestätigt in ihrem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber den Vereinigten Staaten. Ihre Vertreter setzen nun auf eine Schwächung des moderaten Lagers unter Präsident Hassan Ruhani und eine Stärkung der eigenen Machtposition.

Den Obersten Revolutionsführer Ali Chamenei, der das Abkommen anfangs begrüßte, wissen sie wieder an ihrer Seite. Dieser machte am Mittwoch in einer ungewöhnlichen TV-Rede an die eigene Regierung klar, er werde das Gleiche tun wie Trump, falls Präsident Ruhani von den drei europäischen Mächten Frankreich, Großbritannien und Deutschland keine "eindeutigen Garantien" erhalte, dass sie die nach 2015 wieder angeknüpften Wirtschaftsbeziehungen weiterführen. "Ich bezweifele, dass ihr das erreichen könnt", fuhr Chamenei fort. "Dann aber können wir nicht so weitermachen wie bisher."