Donald Trump gefällt sich in der Rolle des Showmasters, der das Publikum in Atem hält. Da kann das Thema noch so heikel sein, wie in diesem Fall das Nuklearabkommen mit dem Iran. "Niemand kann sagen, was ich am 12. tun werde", sagte der US-Präsident jüngst an der Seite seines Gastes, des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Und das schien ihn tatsächlich zu amüsieren. Kaum weniger vage fügte er noch hinzu: "Wir werden sehen, ob ich tue, was einige Leute von mir erwarten, und ob es möglich sein wird, einen neuen Deal mit einem soliden Fundament auszuhandeln."

Bis zum 12. Mai bleibt Trump noch Zeit. Dann muss und will er entscheiden, ob er die ausgesetzten Sanktionen gegen den Iran wieder in Kraft setzt – womit das Abkommen praktisch erledigt wäre. Schon vor seinem Amtsantritt hatte Trump die Vereinbarungen zur Kontrolle des iranischen Atomprogramms den wohl schlechtesten Deal der Geschichte genannt. Für ihn war es ein Beweis der Verhandlungsschwäche seines Vorgängers Barack Obama. Seine inhaltliche Kritik: Das Raketenprogramm des Iran sei von dem Abkommen nicht erfasst, es ignoriere auch die Tatsache, dass die iranische Führung Terroristen und Milizen im Nahen Osten unterstütze, außerdem liefen viele der Beschränkungen schon nach zehn Jahren wieder aus. So sei der Iran nicht vom Bau der Bombe abzuhalten.

Trotz seiner zur Schau getragenen Verachtung für den Iran und das Abkommen hat Trump als Präsident bisher davon abgesehen, daraus auszusteigen. Nun droht er unmissverständlich, den Deal platzen zu lassen, sollten sich die Partnerländer Großbritannien, Frankreich und Deutschland nicht rechtzeitig auf weitreichende Änderungen im Umgang mit dem Iran einlassen. Doch wird er wirklich so weit gehen?

"Aber er beißt nicht"

Trump liebe es, für Spannung zu sorgen, sagt Ross Baker, Politikwissenschaftler an der Rutgers University. Seine Unvorhersehbarkeit sei die wohl einzige Konstante seiner Präsidentschaft. Die New York Times hatte diese Vorliebe für öffentliche Ratespiele jüngst so interpretiert: Mit seinen vagen Äußerungen wolle Trump es vor allem vermeiden, auf spezifische Versprechen festgelegt zu werden.

Auf der Suche nach Hinweisen, wie der US-Präsident entscheiden könnte, verweisen viele US-Medien in diesen Tagen auf die geplanten Strafzölle auf Einfuhren aus der EU, Kanada und Mexiko – die das Weiße Haus im letzten Moment noch einmal um 30 Tage verschoben hat. Das habe einmal mehr gezeigt, dass der Präsident zwar gern Drohungen ausspreche, diese aber letztlich nicht in die Tat umsetze. "Der Präsident bellt, aber er beißt nicht", fasste es die Seite Marketwatch zusammen.

In Washington herrscht wenige Tage vor Ablauf von Trumps Ultimatum Unruhe, selbst innerhalb der Republikanischen Partei. Zwar hat die Mehrheit der Konservativen das Abkommen ebenfalls deutlich kritisiert, auch wegen ihrer demonstrativen Nähe zu Israel. Doch jetzt fürchten viele, ein voreiliger Rückzug aus dem Abkommen könne die Regierung in Teheran veranlassen, ihr Waffenprogramm auszuweiten, wichtige internationale Partner verschrecken – und ein Abkommen mit Nordkorea unwahrscheinlicher machen, wenn das dortige Regime merke, dass man sich auf die Absichtserklärungen der USA nicht verlassen kann.

Selbst jene, die eigentlich als entschiedene Kritiker gelten, sprechen sich deshalb in diesen Tagen vor laufenden Kameras gegen einen Ausstieg aus. Das Abkommen jetzt aufzukündigen, schade nur den USA selbst, warnte der Republikaner Jeff Flake aus Arizona. Die Regierung in Teheran habe von den aufgehobenen Sanktionen bereits profitiert. Den Vertrag vorzeitig aufzulösen, eröffne dem Land nur einen leichten Ausweg, sich seinen Verpflichtungen zu entziehen.