Doch eben nicht nur, denn wenn diese nur der Verteidigung diente, wären iranische Truppen jetzt nicht an den Grenzen Israels. Wenn all das nur defensiven Charakter hätte, würde Teheran die Hisbollah im Libanon nicht mit Raketen versorgen. Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass die Vernichtung Israels ein zentraler Programmpunkt der islamistischen Revolution des Jahres 1979 war. Dieses sinistre Gründungsmerkmal der Revolution hat das Regime bis heute nicht abgelegt. Die Raketen für die Hisbollah sind Beweis genug.

Den europäischen Außenministern ist das, wie gesagt, alles bekannt. Doch Irans Expansion hatte einem nuklearen Abkommen nicht im Wege stehen sollen. Das war durchaus vernünftig. Nur auf dieser Grundlage konnte der Atomdeal überhaupt geschlossen werden. Wenigstens haben die militanten Theokraten die Bombe nicht – das war der zentrale Gedanken des Abkommens.

Damit war im Weiteren die Hoffnung verbunden, dass der Iran sich als Akteur der internationalen Gemeinschaft nach und nach "zivilisieren" würde – sprich: seinen aggressiven Charakter nach innen wie nach außen verlieren würde. Das Atomabkommen, so die unausgesprochene Hoffnung, sollte den Beginn eines grundlegenden, langsamen Wandels des theokratischen Regimes einleiten. Um das zu befördern, wollen wir über das andere nicht reden: Das ist die Position der EU.

Doch lässt sich diese Trennung wirklich aufrechterhalten? Ist das noch vernünftig? Zweifel sind angebracht, erhebliche Zweifel. Das Regime in Teheran kann nach dem Treffen der Außenminister in Brüssel jedenfalls recht zufrieden sein. Am Ende geschützt vom Atomabkommen, von den Europäern weiter belohnt für sein Wohlverhalten im nuklearen Bereich, hat es in der Region de facto weiter freie Hand.

Das ist die Beute, mit der der iranische Außenminister am Dienstag nach Hause fahren konnte. Selbst die Hardliner der Islamischen Republik Iran werden daran ihre Freude haben.