Nach der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, aus dem Atomabkommen mit dem Iran auszusteigen, wollen sich die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens am kommenden Montag mit Vertretern des Iran treffen. Bei den Gesprächen solle es um die Zukunft des Abkommens gehen, sagte Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian dem französischen Radiosender RTL. "Diese Vereinbarung ist nicht tot", sagte er. "Es gibt einen amerikanischen Rückzug aus dem Deal, aber der Deal ist immer noch da." Es gehe darum, über die "Gesamtsituation" zu beraten, sagte Le Drian weiter.

Zu dieser gehört auch die Einbeziehung Israels. Staatschef Benjamin Netanjahu hatte die Entscheidung der USA, das Abkommen zu beenden, als "mutig und richtig" gelobt. Israel, so lautete die Botschaft Netanjahus in den vergangenen Tagen, will mit aller Macht verhindern, dass der Iran in den Besitz von Nuklearwaffen gelangt. Er hatte sogar angebliche "Beweise" des israelischen Geheimdienstes präsentiert, die zeigen sollen, dass der Iran trotz des Nuklearabkommens von 2015 weiter an Atomwaffen gearbeitet habe.

Das im Juli 2015 zwischen dem Iran und den fünf UN-Vetomächten sowie Deutschland geschlossene Nuklearabkommen soll verhindern, dass der Iran die Fähigkeiten zur Entwicklung von Atomwaffen erlangt. Gemäß dem Abkommen hat Teheran die Urananreicherung deutlich reduziert und verschärfte Kontrollen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zugelassen. Im Gegenzug wurden die im Atomstreit verhängten Finanz- und Handelssanktionen aufgehoben.

Streitpunkt Syrien

Israel ist zudem fest entschlossen, den Iran daran zu hindern, sich dauerhaft militärisch im Nachbarland Syrien zu etablieren. Über die angespannte Lage in Syrien will Netanjahu mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sprechen. "Die Treffen zwischen uns sind immer wichtig, aber dieses ist besonders wichtig", sagte Israels Premier vor der Abreise an diesem Mittwoch.

Bei einem Raketenangriff südlich der syrischen Hauptstadt Damaskus sind Aktivisten zufolge am späten Dienstagabend mindestens neun Menschen getötet worden. Das israelische Fernsehen berichtete, der Angriff habe einer Lieferung iranischer Raketen gegolten, die für Attacken gegen Israel bestimmt gewesen seien. "Angesichts dessen, was in diesem Momenten in Syrien passiert, müssen wir die Fortsetzung der Sicherheitszusammenarbeit zwischen der russischen und der israelischen Armee gewährleisten", sagte Netanjahu.

Der Iran ist neben Russland und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah der wichtigste Verbündeter des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad. Das Land hat nach israelischen Angaben in den vergangenen Monaten seine militärische Präsenz im Land weiter ausgebaut und viele Waffen nach Syrien geschickt. 

Als Reaktion darauf hat Israel nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten immer wieder Ziele in Syrien angegriffen. Israel wird für Luftangriffe in Syrien verantwortlich gemacht, bei denen auch Iraner getötet wurden. Der Iran drohte mit Vergeltung. Israel rechnet mit einem iranischen Angriff auf den Golanhöhen und hat daher sein Militär in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt und die Luftschutzbunker öffnen lassen. Die Armeen Russlands und Israels sprechen sich über ihr Vorgehen in Syrien ab.