In Dänemark soll für Kinder aus sozial benachteiligten Gebieten die Kinderbetreuung vom ersten Lebensjahr an zur Pflicht werden. Dies plant die Mitte-rechts-Regierung von Lars Løkke Rasmussen und kann dabei auch auf die Unterstützung durch die wichtigsten Oppositionsparteien zählen.

Demnach werden rund 700 Kinder in Dänemark von 2019 an mindestens 25 Stunden in der Woche in den Kindergarten gehen müssen. Bezahlen müssen die Eltern dafür nicht. Wer aber ablehnt, riskiert, dass das Kindergeld gekürzt wird.

"Die Eltern sollen es als Geschenk sehen", verteidigt Sozial- und Jugendministerin Mai Mercado die neue Regelung, die ab Mitte 2019 in Kraft treten soll. Es sei "keine Strafe", sagte die konservative Politikerin in einem Interview im dänischen Radio. "Wir wollen nur sichern, dass die Kinder bestimmte Werte und Traditionen leben."

Die Maßnahme ist Teil eines umfassenden Programms, mit dem die dänische Regierung nach eigenen Angaben die einseitige Entwicklung bestimmter Gebiete verhindern will. 22 solcher Gebiete wurden aufgrund von Arbeitslosenzahlen, Verurteilungen wegen Straftaten und Einwandereranteil als "Ghettos" charakterisiert.

Rasmussen, der als Regierungschef auf die Tolerierung durch die rechtspopulistische Dänische Volkspartei angewiesen ist, hatte Anfang März sein Maßnahmenpaket unter dem Motto "Für ein Dänemark ohne Parallelgesellschaften. Keine Ghettos mehr bis 2030" vorgestellt. Damals umriss er sein Programm mit den Worten: "Wir werden kontrollieren, wer neu zuziehen darf. Wir werden Kriminalität besonders hart bestrafen. Und wir schauen auf die Kinder in den Ghettos. Sie müssen raus aus ihrer Isolation. Sie müssen Dänisch lernen, bevor sie in die Schule kommen. Sie müssen in den Kindergarten gehen und einen Sprachtest bestehen, bevor sie in die erste Klasse kommen."