Über den neuen amerikanischen Botschafter in Berlin ist viel berichtet worden. Als Richard Grenell vergangene Woche schrieb, deutsche Unternehmen sollten ihre Geschäfte im Iran "sofort herunterfahren", war das aber mehr als eine diplomatische Entgleisung. Grenell hat gewissermaßen in einem Halbsatz die internationalen Beziehungen neu geordnet – beziehungsweise dieser Neuordnung ein Gesicht gegeben. Und daraus müssen endlich Konsequenzen gezogen werden.

Aber der Reihe nach.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs galt der Grundsatz, dass das Verhältnis der Staaten untereinander gewissen Regeln folgen soll. So wie auch das Verhältnis der Menschen innerhalb eines Staat gewissen Regeln folgt, damit nicht das Recht des Stärkeren das Zusammenleben bestimmt – sondern die Stärke des Rechts.

Im Kern waren die vergangenen Jahrzehnte geprägt von dem Versuch, diese Verrechtlichung zwischenmenschlicher Beziehungen auf die internationale Ebene zu übertragen. Institutionen wie die Welthandelsorganisation, der Internationale Währungsfonds, die Weltbank, die Vereinten Nationen sind Ausdruck dieses Versuchs. Sie verdanken ihre Existenz der Überzeugung, dass internationale Vereinbarungen Sicherheit und Wohlstand auf der Welt fördern.

Die Amerikaner haben als einzig verbliebene Supermacht zwar seit jeher Sonderrechte für sich in Anspruch genommen, die Nachkriegsordnung aber im Großen und Ganzen gestützt. Donald Trump hat dem ein Ende bereitet. Seine America-First-Doktrin setzt gewissermaßen das Recht des Stärkeren als Modus der internationalen Beziehungen wieder ein. Deshalb hat er alle Vereinbarungen aufgekündigt, die aus seiner Sicht den Vereinigten Staaten von Amerika Fesseln anlegen: das Transpazifische Freihandelsabkommen, den Weltklimavertrag und jetzt eben die Iran-Vereinbarung.