Nach den tödlichen Auseinandersetzungen am Grenzzaun im Gazastreifen hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron "die Gewalt der israelischen Streitkräfte gegen die Demonstranten" verurteilt. Nach dem umstrittenen Umzug der US-amerikanischen Botschaft nach Jerusalem war es zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Israelische Soldaten erschossen 58 Palästinenser, mehr als 2.770 Menschen wurden nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums verletzt.

Der Élysée-Palast teilte mit, Macron habe mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und dem jordanischen König Abdullah telefoniert. Er habe gesagt, "dass die Demonstrationen in den kommenden Tagen friedlich bleiben müssen". Macron soll auch bekräftigte haben, dass Frankreich die Entscheidung der USA zur Botschaftseröffnung in Jerusalem ablehne. Der Status der Stadt könne "nur von den beteiligten Parteien in Verhandlungen unter der Ägide der internationalen Gemeinschaft" entschieden werden. Frankreich setze sich weiter für das Ziel zweier Staaten "in sicheren und anerkannten Grenzen" ein.

Macron will an diesem Dienstag auch mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sprechen. Die Ausschreitungen vom Montag waren die schwersten seit dem Gaza-Krieg 2014. Für den Tod der Demonstranten wurde zwar überwiegend die Hamas verantwortlich gemacht, aber auch an den USA gab es Kritik.

"Ein großer Tag für Israel"

Die USA lehnen eine unabhängige Untersuchung der Konfrontationen ab. Sie blockierten am Montag Diplomaten zufolge eine entsprechende Erklärung des UN-Sicherheitsrates, in der eine unabhängige Untersuchung der Gewalt an der Grenze des Gazastreifens gefordert werden sollte. "Der Sicherheitsrat drückt seine Empörung und sein Bedauern über die Tötung palästinensischer Zivilisten aus, die ihr Recht auf friedlichen Protest ausübten", hieß es in einem Entwurf der Erklärung. Der Rat wollte am Dienstag über die Lage beraten und sich dabei auch vom Nahost-Beauftragten Nikolaj Mladenow informieren lassen.

US-Präsident Donald Trump hatte Jerusalem im Dezember im Alleingang als Hauptstadt Israels anerkannt. Während dies bei den Palästinensern Zorn und schwere Unruhen auslöste, sorgte der Schritt in Israel für Genugtuung. Regierungschef Benjamin Netanjahu feierte die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem – am 70. Jahrestag der Staatsgründung Israel – als politischen Triumph. Israel habe "keine besseren Freunde auf der Welt" als die USA, sagte er.

Ungeachtet der internationalen Reaktion und der Zahl der Toten sprach Trump von einem "großen Tag für Israel". Er betonte den Wunsch der USA, weiterhin Vermittler im Nahostkonflikt sein zu wollen. Ähnlich äußerten sich der US-Botschafter in Israel, David Friedman, und das Weiße Haus.

Türkei und Südafrika holen Botschafter zurück

Ändere Länder reagierten empört auf die Verlegung der US-Botschaft nach Israel: Die Türkei zog ihren Botschafter aus den Vereinigten Staaten ab und berief ihren Botschafter aus Israel für Konsultationen zurück in die Heimat. Das Außenministerium in Ankara teilte mit, die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem sei "juristisch null und nichtig" und missachte die legitimen Rechte des palästinensischen Volkes. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan beschuldigte dagegen Israel des "staatlichen Terrors" und des "Völkermords".

Auch Südafrika beorderte seinen Botschafter aus Israel zurück. "Angesichts der wahllosen und schwerwiegenden Weise des jüngsten israelischen Angriffs hat die südafrikanische Regierung die Entscheidung gefällt, Botschafter Sisa Ngombane mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres zurückzurufen", teilte das südafrikanische Außenministerium mit.

Im Gazastreifen und dem Westjordanland begannen unterdessen drei Tage der Trauer. Für Dienstag hat Palästinenserpräsident Mahmud Abbas einen Generalstreik ausgerufen, zudem gedenken die Palästinenser am Nakba-Tag traditionell der Vertreibung und Flucht Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948.