In Frankreich haben mehrere Tausend Menschen in Paris gegen die Politik des Präsidenten Emmanuel Macron protestiert. Die Demonstranten zogen am Samstagnachmittag durch das Zentrum der französischen Hauptstadt und hielten dabei Schilder mit Aufschriften wie "Stop Macron" in die Höhe. Anlass der Demonstration ist die Wahl von Emmanuel Macron, die sich am 7. Mai zum ersten Mal jährt. Eine Woche nach seiner Wahl, am 14. Mai 2017, war Macron ins Amt eingeführt worden.

Ein Großaufgebot der Polizei sicherte den Protestzug ab. Nach massiven Ausschreitungen am Rande von Demonstrationen am 1. Mai in Paris waren die Sicherheitsvorkehrungen für die Veranstaltung verschärft worden. Die Polizei hatte angekündigt, 2.000 Beamte einzusetzen.

Der Protest richtete sich gegen diverse Arbeitsmarkt- und Bildungsreformen des Präsidenten und seiner Regierung. Kritiker werfen Macron vor, mit seiner Politik vor allem Unternehmen und Besserverdiener zu bevorzugen. Unter den Teilnehmern der Demonstration waren Studenten sowie Vertreter der seit Wochen immer wieder streikenden Eisenbahner

Beobachter sehen die Demonstration als Test dafür, ob sich die zersplitterte Linke in ihrem Protest gegen den sozialliberalen Macron vereinen kann. Die Linkspartei La France Insoumise ("Das unbeugsame Frankreich") hatte den Protestmarsch organisiert. Unter anderem trat ihr Chef Jean-Luc Mélenchon auf.

Bisher blieb der Protest friedlich. Bilder und Videos zeigen Menschen mit bunt bemalten Schildern und Karikaturen sowie Tanzende. Ein Reporter von Le Monde berichtet allerdings auch, dass Demonstranten Salzlösung verteilen, um sich gegen mögliches Tränengas von Polizisten zu wappnen. Die Veranstaltung war als "fête à Macron", angekündigt. "fête" bedeutet Fest. "Fête à Macron" lässt sich aber auch als "Macron an den Kragen gehen" übersetzen.

Viele Demonstranten beriefen sich auf die französische Geschichte und insbesondere auf die Revolution 1789. Macron wurde in Karikaturen unter anderem mit dem absolutistischen Herrscher Ludwig XVI verglichen, der mit der französischen Revolution entmachtet wurde. Andere Karikaturen verglichen Macron mit Napoleon. Auch Mélénchon schlug revolutionäre Töne an. Auf Twitter schrieb er: "Wir sind das aufständische Volk Frankreichs, das sich darauf vorbereitet, das revolutionäre Volk zu sein. Wir müssen zusammengeschlossen bleiben um dem Vaterland und der Welt ein anderes Schicksal anzubieten."

Zu den Teilnehmerzahlen gibt es bislang keine verlässlichen Informationen. Die Organisatoren sprechen von 160.000 Demonstranten, die Polizei von 40.000.

Im vergangenen Herbst hatte Macron mit seinen Reformen begonnen und Arbeitsmarktregeln gelockert. Hunderttausende hatten damals protestiert. Diesmal geht es darum, Arbeitslosen die Unterstützung zu kürzen, wenn sie nicht intensiv genug nach einem neuen Job suchen. Eine Bildungs- und Ausbildungsreform soll die Zahl der Schul- und Studienabbrecher verringern. Viele Unternehmen suchen trotz einer Arbeitslosenquote von neun Prozent dringend nach Fachkräften. Außerdem will Macron den aufgeblähten Beamtenapparat verkleinern und die Staatsbahn SNCF grundlegend umbauen. Zudem sollen Rentner mehr Steuern zahlen.

Macron erlebte das "Fest" für ihn nicht mit: Er beendete einen Besuch im französischen Überseegebiet Neukaledonien im Südpazifik und war Tausende Kilometer entfernt.