Saudi-Arabien will sexuelle Belästigung künftig unter Strafe stellen. Der Schura-Rat, der das Kabinett berät, habe einen entsprechenden Gesetzentwurf gebilligt, teilten die saudi-arabischen Behörden mit. So solle die Würde und persönliche Freiheit der Opfer geschützt werden, "die nach islamischen Regeln und Gesetzen garantiert ist".

Demnach drohen den Tätern sexueller Belästigung künftig Haftstrafen von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen in Höhe von 300.000 Rial (69.000 Euro). Das Gesetz fülle "ein großes gesetzgeberisches Vakuum" und diene als Abschreckung, sagte Schura-Rat-Mitglied Latifa al-Schaalan.

Die Reform sei auf Anweisung des saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman erarbeitet worden, berichteten lokale Medien. Dieser will das stark konservativ geprägte muslimische Land mit einer Reihe von Reformen moderner machen – wobei auch den bislang stark eingeschränkten Frauen mehr Rechte zugesprochen werden sollen.

Zu den Reformen zählt etwa eine stärkere Beteiligung von Frauen am Wirtschaftsleben. So soll im Juni das Fahrverbot für Frauen aufgehoben werden. Sie dürfen dann im Auto selbst am Steuer sitzen. Menschenrechtsaktivisten kritisieren die Reformen jedoch als "kosmetisch", denn noch immer werde das Land autoritär regiert, teilte Amnesty International mit. Erst vergangene Woche waren sechs Aktivistinnen für Frauenrechte verhaftet worden.