An der Grenze zum Gazastreifen ist es erneut zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen. Einige der Demonstranten näherten sich dem Grenzzaun, warfen Steine und verbrannten Reifen. Israelische Soldaten schossen scharf und feuerten Tränengas über den Grenzzaun. 1.143 Palästinenser wurden verletzt, davon 83 durch Schüsse. Das teilte das palästinensische Gesundheitsministerium in Gaza mit.

Die israelische Armee schätzte, dass 10.000 Palästinenser an sechs Orten entlang der Grenze protestierten. Seit Ende März sollen insgesamt 50 Demonstranten durch israelische Schüsse getötet worden sein. Mehr als 7.000 wurden in dieser Zeit nach Angaben des Gesundheitsministeriums verletzt, davon etwa 2.000 durch scharfe Munition.

Palästinenser hätten mehrfach erfolglos versucht, den Sicherheitszaun zu durchbrechen, hieß es in einer Mitteilung. Hunderte hätten Teile des Kerem-Schalom-Grenzübergangs in Flammen gesetzt und die Leitungen beschädigt, die Gas und Treibstoff von Israel in den Gazastreifen brächten. Zwei israelische Drohnen im "Dokumentationseinsatz" seien im Gazastreifen verloren gegangen. Augenzeugen hatten zuvor berichtet, Palästinenser hätten die Drohnen mit Steinwürfen vom Himmel geholt.

Die im Gazastreifen regierende militante Hamas hat zu Massenkundgebungen an der Grenze an jedem Freitag aufgerufen. Außerdem will sie mit einer wochenlangen Kampagne gegen eine seit zehn Jahren existierende Blockade des Gazastreifens durch Israel und Ägypten protestieren. Damit wollen sie bewirken, dass vertriebene Palästinenserinnen und Palästinenser sowie ihre Nachfahren zurückkehren können. Die USA und die EU stufen die Hamas als terroristische Organisation ein.

Die steigende Zahl von Toten und Verletzten bei den wöchentlichen Protesten hat zu wachsender Kritik an Israel geführt. Menschenrechtsorganisationen kritisieren Richtlinien als illegal, wonach Soldaten potenziell tödliche Gewalt gegen unbewaffnete Demonstranten einsetzen dürfen. Israel argumentiert, es verteidige seine Grenze. Soldaten würden nur Anstifter ins Visier nehmen. Die Armee hat mehrfach mitgeteilt, die an der Grenze positionierten Scharfschützen hätten klare Anweisungen, erst nach mehreren Warnungen und auch dann nur auf die Beine zu schießen.

Die Proteste sollen noch bis zum 15. Mai dauern. Für dieses Datum kündigen die Veranstalter eine Million Teilnehmer an. Am Nakba-Tag gedenken die Palästinenser der Vertreibung Hunderttausender während des Nahost-Krieges 1948. Die Palästinenser flohen nach der Staatsgründung Israels oder wurden vertrieben.