Bei erneuten Konfrontationen an der Grenze zwischen Gaza und Israel sind nach palästinensischen Angaben mehrere Palästinenser getötet worden. Das teilte das Gesundheitsministerium in Gaza mit.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums waren in Gaza am Montag 60 Palästinenser bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen getötet worden. Die Flaggen am Amtssitz von Präsident Mahmud Abbas in Ramallah wehen deshalb auf Halbmast. Politiker im Westjordanland riefen die Menschen auf, an den israelischen Armeekontrollpunkten zu protestieren. Dabei könnte es zu erneuten Konfrontationen mit israelischen Soldaten kommen. Laut der israelischen Armee protestierten 400 Palästinenser im Grenzgebiet.  

Türkei schickt israelischen Botschafter zurück

Die Türkei bestellte den israelischen Botschafter Eitan Naeh zunächst ins Außenministerium ein und schickte ihn daraufhin bis auf weiteres nach Israel zurück. Zudem zog die Regierung ihre Botschafter aus Washington und Tel Aviv ab und ordnete drei Tage Trauer für die getöteten Palästinenser an. Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas beorderte den PLO-Vertreter in Washington zurück. Der Gesandte der Palästinensischen Befreiungsorganisation, Hussam Somlot, befinde sich bereits auf der Heimreise, sagte Chefunterhändler Saeb Erekat.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yıldırım forderte muslimische Länder zudem auf, ihre Beziehungen zu Israel zu überdenken, Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan warf Israel einen "Genozid" vor. Auch Irland bestellte aus "Schock und Bestürzung" den israelischen Botschafter ein, Südafrika rief seinen bis auf weiteres zurück. Erdoğan berief für Freitag einen Sondergipfel islamischer Staaten ein.

Untersuchung abgelehnt

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies die Kritik zurück. "Erdoğan ist einer der größten Unterstützer der Hamas, daher gibt es keinen Zweifel, dass er sich gut auskennt mit Terror und Massakern", sagte Netanjahu. "Ich rate ihm, uns keine Moral zu predigen."

Der UN-Sicherheitsrat beriet über die Lage, ohne zu einer gemeinsamen Erklärung zu kommen. UN-Generalsekretär António Guterres sagte, die Tötung der protestierenden Palästinenser zeige, wie wichtig eine politische Lösung des Nahostkonflikts sei. Der Weg hinaus aus der zerfahrenen Situation führe nur über eine Zweistaatenlösung, die Israelis und Palästinensern ein gemeinsames Leben in Frieden und Sicherheit ermögliche.
Die USA lehnten es im UN-Sicherheitsrat ab, die Gewalt an der Grenze zwischen Israel und Gaza unabhängig untersuchen zu lassen. Deutschland und Großbritannien hingegen unterstützen einen entsprechenden Vorschlag. 

Netanjahu verteidigt "entschlossenen Einsatz"

In den Palästinensergebieten und Ostjerusalem blieben aufgrund eines Generalstreiks alle Geschäfte geschlossen. Auch Schulen, Universitäten und Regierungseinrichtungen sowie arabische Einrichtungen in Israel blieben zu. Im Gazastreifen wurden drei Tage Trauer angeordnet. 

Israel öffnete den am Wochenende schwer beschädigten Warenübergang Kerem Schalom wieder, wie die zuständige Behörde mitteilte. Palästinenser hatten nach Angaben der Armee den Warenübergang erneut in Brand gesetzt. Der einzige Übergang, über den der Gazastreifen mit humanitären Hilfsgütern und Warenlieferungen versorgt wird, war deswegen mehrere Tage nicht nutzbar.

Die israelische Luftwaffe griff am Montag außerdem elf Ziele der radikalislamischen Hamas im nördlichen Gazastreifen an. Zusätzlich beschossen Panzer zwei Hamas-Stützpunkte im Norden und Süden des Küstengebietes, wie die Armee mitteilte.

Eröffnung der Botschaft

Netanjahu sagte, der "entschlossene Einsatz" der Sicherheitskräfte habe das Eindringen von Palästinensern über die Grenze verhindert.

Ein Auslöser für die Proteste im Gazastreifen war die Eröffnung der US-Botschaft am Montag in Jerusalem, dem 70. Jahrestag der israelischen Staatsgründung. An dem Tag, auch Nakba-Tag genannt, erinnern die Palästinenser traditionell an die Flucht und Vertreibung Hunderttausender. Dabei kommt es immer wieder zu Unruhen. Die Menschen protestieren zudem gegen eine mehr als zehnjährige Blockade des Küstenstreifens durch Israel und Ägypten.

US-Präsident Donald Trump hatte vor rund sechs Monaten Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannt. Dabei hatte er auch die Verlegung der Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem angekündigt. Die Entscheidung hatte international Kritik ausgelöst.

Israel - US-Botschaft in Jerusalem eröffnet In Jerusalem wurde die umstrittene US-Botschaft feierlich eröffnet. In einer Videobotschaft sprach US-Präsident Donald Trump von einem »längst überfälligen Schritt«, Vertreter westeuropäischer Staaten blieben dem Akt demonstrativ fern. © Foto: Ronen Zvulun/Reuters

Auch Guatemala verlegt seine Botschaft nach Jerusalem. Die Regierung teilte mit, dass Präsident Jimmy Morales am Mittwoch nach Israel reisen werde. Auch Paraguay will seine Botschaft kommende Woche verlegen, in Honduras gibt es ebenfalls Bestrebungen.  

Seit Ende März sind bei gewaltsamen Konfrontationen von Palästinensern und israelischen Soldaten an der Gaza-Grenze insgesamt 115 Palästinenser getötet und Tausende verletzt worden. Beim Marsch der Rückkehr haben Zehntausende ein Recht auf Rückkehr in das heutige israelische Staatsgebiet gefordert. Israel lehnt das ab.