Israel und die USA haben die antisemitischen Äußerungen des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas verurteilt. Das israelische Außenministerium warf Abbas vor, "religiösen und nationalistischen Hass gegen das jüdische Volk und Israel" zu schüren. Ministeriumssprecher Emmanuel Nachschon sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Antisemitismus von Abbas sei "umso erschreckender, da er sich als jemand präsentiert, der Frieden mit Israel schließen will". Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete die Äußerungen als einen "Gipfel von Unwissenheit und Frechheit".

Der US-amerikanische Botschafter in Israel, David Friedman, schrieb auf Twitter, Abbas' Kommentar stelle einen neuen Tiefpunkt dar. "An alle, die glauben, Israel wäre der Grund, warum es keinen Frieden gibt, denkt noch einmal nach", hieß es weiter.

Der Sondergesandte der US-Regierung für den Nahen Osten, Jason Greenblatt, bezeichnete die Äußerungen als erschreckend und enttäuschend. Der israelische Kabinettsminister Naftali Bennett sagte, Abbas fülle den Geist der kommenden Generation mit dem Gift des Antisemitismus.

Kritik auch aus Deutschland

Der Bundestagsabgeordnete Sven Kindler (Grüne) forderte die Bundesregierung auf, zu handeln, und schrieb auf Twitter: "Es ist höchste Zeit, dass mit deutschen und europäischen Steuergeldern keine Terrorrenten und kein #Antisemitismus in palästinensischen Schulbüchern weiter finanziert wird, direkt oder indirekt." Auch Alexander Graf Lambsdorff, der für die FDP im Bundestag sitzt, verurteilte die Äußerungen als "Schrott". Leider seien solche Äußerungen aber nicht neu. Das American Jewish Committee in Berlin forderte die Weltgemeinschaft auf Twitter auf, die Äußerungen zu verurteilen.

Abbas hatte am Montag in einer Rede vor der Palästinensischen Befreiungsorganisation dem jüdischen Volk die Schuld am Holocaust gegeben. Dass die Nazis sechs Millionen Juden ermordeten, sei nicht durch Antisemitismus ausgelöst worden, sondern durch das "soziale Verhalten" der Juden, wie das Verleihen von Geld, sagte der Palästinenserpräsident. Außerdem bezeichnete er Israel als ein koloniales Projekt Europas. Er versuchte erneut zu belegen, dass Juden nicht im Nahen Osten verwurzelt seien.

Bereits im Januar hatte Abbas Israel als "koloniales Projekt" bezeichnet, das mit Juden nichts zu tun habe. Israels Staatspräsident Reuven Rivlin sagte daraufhin, Abbas habe "genau das gesagt, was dazu geführt hat, dass er vor Jahren des Antisemitismus und der Holocaustleugnung beschuldigt wurde".