Wenn US-Finanzminister Steven Mnuchin mit seiner Delegation nun die chinesischen Pendants um Vize-Regierungschef Liu He trifft, geht es um nichts weniger, als einen weltweiten Handelskrieg abzuwenden. Die Volksrepublik ist bislang am stärksten von neuen, höheren US-Zöllen auf Stahl- und Aluminium-Produkte betroffen. Der Streit schürt Ängste vor einer Krise zwischen den beiden größten Volkswirtschaften. Eine Eskalation des Konflikts würde die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen. Mnuchin, der unter anderem von Wirtschaftsminister Wilbur Ross und dem Handelsbeauftragten Robert Lighthizer begleitet wird, soll die Chinesen von den US-Positionen überzeugen.

China war mit einem Volumen von 636 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr der größte Handelspartner der USA. Das Land kommt dabei auf einen Exportüberschuss von 375 Milliarden Dollar (303,3 Milliarden Euro) gegenüber den USA. Zudem sind die Chinesen der größte Käufer amerikanischer Staatsanleihen, was ihnen ein Druckmittel in den Verhandlungen geben könnte.

Chinas Regierung drohte den USA bereits mit Gegenmaßnahmen. Unter anderem hat die Volksrepublik höhere Einfuhrzölle für US-Fahrzeuge sowie Agrarprodukte wie Soja ins Gespräch gebracht. Inzwischen ist der US-Export von Sojabohnen nach China wegen des Streits mit den USA praktisch zum Erliegen gekommen, wie der Agrarhandelskonzern Bunge mitteilte.

China will Technologieführer werden

US-Präsident Trump teilte via Twitter mit: "Unser großartiges Finanzteam in China versucht, gleiche Wettbewerbsbedingungen im Handel herzustellen." Er selbst werde in nicht allzu ferner Zeit Staatspräsident Xi Jinping treffen.

Trump kritisiert in dem Zusammenhang nicht nur das hohe Handelsbilanzdefizit. Das Weiße Haus wirft China Verstöße gegen Urheberrechte und Technologiediebstahl vor, wodurch das Ungleichgewicht noch größer werde. Die Regierung in Washington versucht, eine Antwort auf die chinesische Industriestrategie "Made in China 2025" zu finden, mit der die Volksrepublik zum weltweiten Technologieführer aufsteigen will.

Erst am Donnerstag hatte das Wall Street Journal berichtet, die US-Regierung wolle die Geschäftsaktivitäten chinesischer Telekom-Ausrüster in den USA per Erlass einschränken. Begründet würden die Maßnahmen mit Sorgen um die nationale Sicherheit. Sie dürften wahrscheinlich Huawei Technologies und ZTE treffen, zwei der weltweit größten Telekommunikationsgerätehersteller.

Auch Europäer klagen über China

Der US-Präsident ist mit seiner Kritik an China nicht allein: Neben den USA klagen die Europäer über mangelnden Marktzugang und die Abschottung gegen unliebsame Konkurrenz, über unfaire Handelspraktiken, den Diebstahl von Urheberrechten und erzwungenen Technologietransfer.

Trumps Alleingang mit der Brechstange stößt in der EU auf Kritik. Statt mit Schutzzöllen eine Spirale der Abschottung in Gang zu bringen, wollen andere Staaten mit Handelsverträgen und Abkommen über Investitionsschutz eine weitere Öffnung Chinas erreichen. Auch wollen sie Unstimmigkeiten über die Welthandelsorganisation (WTO) klären.

Die Differenzen spiegeln sich in Teilen auch in der Zusammensetzung der US-Delegation wieder. Finanzminister Steven Mnuchin beispielsweise kommt von der Wallstreet und gilt als eher vorsichtig im Umgang mit restriktiven Handelspraktiken. Trumps Handelsbeauftragter Robert Lighthizer vertritt dagegen protektionistische Positionen. Zu den US-Vertretern gehören auch die beiden Wirtschaftsberater Trumps, Peter Navarro und Larry Kudlow. Navarro ist ein nationalistischer China-Gegner, Kudlow gilt als Befürworter des Freihandels.