Der Weg zur Bombe ist im Grunde leicht. Es braucht das Wissen, beziehungsweise einen Bauplan, und das Material. Beides mag im Falle einer Nuklearwaffe nicht trivial sein, doch sollte niemand annehmen, die Iraner wären Amateure. Jahrelang haben sie ein äußerst ambitioniertes Atomprogramm vorangetrieben. Und nicht einmal die Befürworter des auf der Kippe stehenden Nuklearabkommens haben den Beteuerungen geglaubt, dabei gehe es nur um eine zivile Nutzung. Deshalb ja der Deal, über dessen Zukunft US-Präsident Donald Trump an diesem Dienstag entscheiden will.

Es gibt, was das Wissen angeht, wenig Grund anzunehmen, der Iran sei noch nicht soweit. Ob er nun mit eigener Forschung zum Durchbruch gekommen ist, das Design geklaut, gekauft oder kopiert hat – gehen wir besser davon aus, dass der Bau einer Bombe nicht an fehlenden Plänen scheitern würde. Das ist auch die Grundlage aller Befürchtungen, der Iran könne inzwischen innerhalb kurzer Zeit tatsächlich Nuklearwaffen besitzen, sobald er über ausreichend hochangereichertes Uran verfügt. Das nämlich dürfte der schwierigere Teil des Wegs sein, über den überhaupt nur durch das Abkommen ein gewisses Maß an Kontrolle besteht.

Dass der Iran die Bombe wollte, stand nie ernsthaft infrage. Und mit einem haben die Kritiker des Abkommens vermutlich recht: Es mag die militärischen Nuklearambitionen des Irans für einige Jahre ausbremsen, nachhaltig blockieren kann es sie nicht. Insofern ist auch der Gedanke richtig, das Land könne in der Zwischenzeit von den gelockerten Sanktionen profitieren, das Geld dann vor allem in den brutalen Kampf um die regionale Vorherrschaft im Nahen Osten stecken und derweil sein Raketenprogramm weiter intensivieren. Nur um anschließend als bedrohlichere Macht denn je die letzten Schritte auf dem Weg zur Bombe zu gehen. Das treibt insbesondere Israel und fest an seiner Seite die US-Regierung unter Donald Trump um – der die unter dem Abkommen aufgehobenen Sanktionen erneuern und damit faktisch aus der Vereinbarung aussteigen könnte.

In dieser Hinsicht hat Trump dann sicher recht: Der Deal ist alles andere als perfekt. Wer wirklich geglaubt hat, die Einigung in der Nuklearfrage könne der Anfang für einen grundlegend neuen Umgang des Irans mit seinen Nachbarn und der Welt sein, sollte es längst besser wissen. Womöglich fühlte sich das Regime durch das Abkommen sogar noch bestärkt in seiner aggressiven Regionalpolitik von Syrien über den Libanon bis zum Jemen, wo doch nicht zuletzt die Furcht vor einem Scheitern des historischen diplomatischen Erfolgs den Westen von allzu harten Reaktionen abhält.

Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass es klug wäre, das Abkommen zu zerreißen. Denn was würde passieren: Die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA (die dem Iran bislang bescheinigen, alle Auflagen zu erfüllen) würden das Land verlassen müssen. Der Iran wäre aus den Vereinbarungen entbunden und könnte sein Atomprogramm völlig außerhalb jedweder Kontrolle vollständig wieder aufnehmen. Es wäre ein kurzer Weg zur Bombe – eine Sackgasse für jede Bemühung, den Iran zu mäßigen. Darauf warten die Hardliner des Regimes nur.

Mit dem Abkommen dagegen ist zumindest vorerst die Fähigkeit des Irans, in Grad und Menge ausreichend angereichertes Material für Nuklearwaffen zu produzieren, definitiv eingehegt. Es zu retten, kann aber dennoch nur ein erster Schritt sein. Als zweiten Schritt braucht es dringend eine Strategie, wie der Westen sowohl mit der konventionellen Aufrüstung des Irans als auch mit seiner Expansion im Nahen Osten umgehen will. Der Deal ist nicht so schlecht, wie Trump ihn macht – aber längst nicht so gut, dass man sich allein drauf verlassen sollte.