Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich für eine Beendigung des Atomabkommens mit dem Iran ausgesprochen. Das Abkommen bezeichnete er als eine "schreckliche Vereinbarung", die es der iranischen Regierung ermögliche, ihr "Atomwaffen-Know-how zu behalten und zu verbergen". 

Bis zum 12. Mai muss die US-Regierung über einen Verbleib im Atomabkommen mit dem Iran entscheiden. US-Präsident Donald Trump hatte die internationale Vereinbarung in der Vergangenheit mehrfach kritisiert und gedroht, das Abkommen aufzukündigen. Auf Grundlage des 2015 geschlossenen Abkommens wurden verschiedene Strafmaßnahmen gegen den Iran ausgesetzt. In der Vereinbarung verpflichtete sich der Iran, seine atomaren Aktivitäten zu begrenzen. Die USA, China, Russland, Frankreich, Großbritannien und Deutschland hatten die Vereinbarung ausgehandelt.

Netanjahu forderte vor einer Runde ausländischer Korrespondenten, entweder müsse das Abkommen "vollständig in Ordnung gebracht oder vollständig abgeschafft" werden. Der Deal in seiner aktuellen Form würde dazu führen, dass "man in sehr kurzer Zeit einen Iran mit einem Atomarsenal" habe. Auch bei einer Kabinettssitzung brachte der israelische Ministerpräsident seine Ablehnung des Abkommens zum Ausdruck und sagte, der Iran liefere hochentwickelte Waffen nach Syrien, die eine Gefahr für Israel darstellten. Daher müsse man der iranischen Führung eher früher als später entgegentreten. Israel wolle keine Eskalation, sei jedoch für jedes Szenario bereit. Die israelische Regierung sieht vor allem die Militärpräsenz des Iran in Syrien als Bedrohung an.

Iran warnt vor "historischem Bedauern"

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hingegen warnte vor einem Rückzug der USA aus dem Atomabkommen. Ein Aufkündigen des Deals würde zu einem "historischen Bedauern" aufseiten der USA führen, sagte der Staatschef in einer Rede, die im Fernsehen übertragen wurde. Der iranischen Bevölkerung sicherte er zu, dass in der kommenden Woche nicht mit Veränderungen im Alltagsleben gerechnet werden müsse. Für den Fall, dass die USA das Abkommen beendeten, seien Vorkehrungen getroffen. Der iranischen Atombehörde seien Anweisungen erteilt worden. Die israelische Regierung bezeichnete Ruhani als "zionistisches Regime". Ein außenpolitischer Berater der iranischen Regierung hatte bereits angekündigt, im Fall eines Rückzugs der USA aus dem Abkommen ebenfalls nicht mehr an der Vereinbarung festhalten zu wollen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warnte in einem Interview ebenfalls vor den Folgen eines Endes des Iran-Abkommens. In der ARD-Sendung Bericht aus Berlin sagte Steinmeier, der frühere US-Außenminister John Kerry habe bei seiner Unterschrift unter das Abkommen gesagt: "Uns muss klar sein: Mit dieser Unterschrift haben wir wahrscheinlich einen Krieg verhindert". An diesen Satz solle man sich erinnern, denn er zeige die möglichen Konsequenzen auf, sollte das Abkommen gekündigt werden.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte gegenüber dem Spiegel die Befürchtung: "Es könnte Krieg geben". Der britische Außenminister Boris Johnson brach am Sonntag zu einem zweitägigen Besuch nach Washington auf, um dort mit Mitgliedern der US-Regierung über das Atomabkommen zu sprechen.