Frankreich, Deutschland und Großbritannien haben "mit Bedauern und Sorge" die Entscheidung der USA zur Kenntnis genommen, aus dem Atomabkommen mit dem Iran auszusteigen. In einer gemeinsamen Erklärung betonen die drei europäischen Staaten, dem Abkommen weiterhin verpflichtet zu sein. Auch der Iran halte sich nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) weiterhin an die Auflagen aus dem Abkommen.

Die drei Regierungen riefen die USA dazu auf, keine Maßnahmen zu ergreifen, die die Umsetzung des Abkommens durch andere Parteien behindern könnte. Nach intensivem Austausch mit der Regierung in Washington in den vergangenen Monaten sollten die USA alles dafür tun, die Errungenschaften der Abmachung "für die nukleare Nichtverbreitung zu erhalten und die Durchsetzung seiner wesentlichen Bestandteile zu ermöglichen".

An den Iran appellierten die drei Staaten, "mit Augenmaß" auf die Entscheidung Trumps zu reagieren und sich auch weiterhin an die Verpflichtungen aus dem Abkommen zu halten. "Im Gegenzug sollte der Iran weiterhin die ihm zustehenden Sanktionserleichterungen erhalten, solange er sich an die Bestimmungen des Abkommens hält", heißt es in der Mitteilung. Das iranische Atomprogramm müsse "für immer friedlich und zivil" sein.

Aber es gebe weitere Herausforderungen, die angegangen werden müssten: Es müsse ein "langfristiger Rahmen" für die Zeit nach dem Auslaufen des Atomprogramms 2025 entwickelt werden. Auch müssten Fragen zum iranischen Raketenprogramm und zu "destabilisierenden regionalen Aktivitäten" Teherans insbesondere in Syrien, im Irak und im Jemen beantwortet werden. Dazu sollten Gespräche geführt werden.

Maas kündigt Gespräche an

Der deutsche Außenminister sagte in einem Interview mit den Tagesthemen, dass man sich mit den von Trump angekündigten Sanktionen "intensiv auseinandersetzen" und Gespräche mit den Verantwortlichen im Iran führen werde. Die Bundesregierung werde sich dafür einsetzen, dass "dieses Abkommen am Leben bleibt", sagte Heiko Maas. Vor dem Hintergrund der neuen Situation müsse Europa mit einer Stimme sprechen. Ohne das Abkommen gäbe es nichts mehr. "Ich weiß auch nicht, was die Vereinigten Staaten an die Stelle setzen wollen", sagte Maas.

Für die Europäische Union teilte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini mit, sie erwarte, dass alle beteiligten Staaten trotz des Rückzugs der USA an dem Abkommen festhielten. Die Vereinbarung aus dem Jahr 2015 erfülle ihren Zweck, "dass der Iran keine Atomwaffen entwickelt", sagte Mogherini. Mit Blick auf die Entscheidung der USA zeigte sie sich besorgt. Ebenso UN-Generalsekretär António Guterres. Das Abkommen habe zu "regionalem und internationalem Frieden und Sicherheit beigetragen", sagte er. Alle anderen UN-Mitglieder forderte er dazu auf, die Vereinbarung zu unterstützen.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg rief dazu auf, eine "umfassende politische Lösung" für den Umgang mit dem Iran zu suchen. Es müsse nun darum gehen, den Iran weiter von der Entwicklung von Atomwaffen abzuhalten, sagte Nato-Sprecherin Oana Lungescu in Brüssel.

Aus Russland hieß es, man wolle sich um den Erhalt des Abkommens bemühen. Die russische Führung sei in Kontakt mit der EU und dem Iran, zitiert die Nachrichtenagentur RIA den russischen Botschafter bei der EU.