Iranische Streitkräfte haben dem israelischen Militär zufolge erstmals aus Syrien heraus direkt israelische Militärstellungen angegriffen. Iranische Truppen in Syrien hätten in der Nacht zum Donnerstag rund 20 Raketen in Richtung der israelischen Streitkräfte in den Golanhöhen abgefeuert, teilte die israelische Armee auch über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Opfer, hieß es später, habe es keine gegeben, man untersuche noch das Ausmaß des Schadens.

Keine der auf die Golanhöhen abgefeuerten Raketen habe ihr Ziel getroffen. Mehrere der von Syrien aus abgefeuerten Geschosse seien von der israelischen Raketenabwehr abgefangen worden, sagte der Militärsprecher Jonathan Conricus. "Wir sehen diese iranische Attacke auf Israel als sehr schwerwiegend an". Israel hatte die Golanhöhen 1967 erobert und später annektiert.

Conricus sagte, für den Angriff seien nach israelischen Informationen die Al-Kuds-Brigaden verantwortlich, die Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden. Es seien mehrere israelische Militärposten attackiert worden. Israels Armee habe reagiert, sagte Conricus.

Auf die Frage, woher Israel wisse, dass die iranischen Brigaden hinter dem Angriff stehen, sagte Conricus: "Wir wissen es einfach."

Gegenschläge auf iranische Militäreinrichtungen

Mit Hinweis auf Warnungen vor einem iranischen Angriff von Syrien aus hatte Israels Armee bereits am Vortag Reservisten mobilisiert. Die Armee hatte zudem Ortschaften auf den Golanhöhen angewiesen, die Luftschutzbunker zu öffnen. Israel habe verdächtige Bewegungen iranischer Streitkräfte in Syrien identifiziert, hieß es zur Begründung.

Israels Armee reagierte in der Nacht ihrerseits mit Angriffen auf syrisches Gebiet. Nach eigenen Angaben habe sie Dutzende iranische Militäreinrichtungen attackiert: Es seien Einrichtungen des Geheimdienstes, der Logistik, Militärposten, Lagerräume und Spähposten getroffen worden. Man habe auch das Gefährt zerstört, von dem aus die Raketen auf die Golanhöhen abgefeuert wurden. Dies habe sich in 30 bis 40 Kilometern Entfernung von Damaskus befunden. Die Armee versicherte am Donnerstag zugleich, keine militärische "Eskalation" mit dem Iran anzustreben.

Auch die Staatsmedien Syriens berichteten von Gegenschlägen, bei denen zahlreiche Raketen die südwestsyrischen Provinz Kuneitra getroffen haben sollen. Die syrische Staatsagentur Sana berichtete, die Raketen seien von den Golanhöhen abgefeuert worden und unter anderem in der Stadt Al-Baath eingeschlagen.

Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach ebenfalls von israelischen Raketenangriffen, zudem seien israelische Kampfflugzeuge gesichtet worden. In der syrischen Hauptstadt Damaskus seien am frühen Donnerstagmorgen schwere Explosionen zu hören gewesen, berichtete ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP.

Spannungen verschärfen sich

Hintergrund des Konflikts sind massive Spannungen zwischen Israel und Iran, die sich zuletzt verschärft haben. Teheran hat Israel eine jüngste Serie tödlicher Luftangriffe auf iranische Stellungen in Syrien vorgeworfen und Vergeltung angekündigt. Israel hat Luftangriffe auf Syrien weder bestätigt noch dementiert. Das israelische Militär gibt grundsätzliche keine Erklärungen zu eigenen Einsätzen ab.

Zuletzt soll es am Dienstag zu einem mutmaßlichen israelischen Luftangriff nahe Damaskus gekommen sein. Nach Angaben der in England ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden dabei mindestens neun Menschen getötet.

Teheran ist neben Russland und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah wichtigster Verbündeter des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad. Der Iran hat nach israelischen Angaben in den vergangenen Monaten seine militärische Präsenz in Syrien weiter ausgebaut.