Bei einem mutmaßlich israelischen Luftangriff nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus sind nach Angaben von Menschenrechtlern neun Menschen getötet worden. Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, der Angriff habe vermutlich auf militärische Anlagen der iranischen Revolutionsgarde bei Kiswe gezielt. Unklar sei, ob die Toten Mitglieder der Einheit oder einer proiranischen Miliz gewesen seien. Die Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana hatte zuvor von dem Angriff berichtet und Israel verantwortlich gemacht. Sana schrieb, die syrische Luftabwehr habe zwei Raketen abgeschossen. Aus Kreisen einer vom Iran angeführten Gruppe hieß es, der Angriff habe sich gegen eine Stellung des syrischen Militärs gerichtet. Es seien ein Mann und dessen Frau getötet worden, die zufällig in einem Auto vorbeigefahren seien.

Israel äußerte sich zu dem Angriff nicht. Das Land bestätigt oder bestreitet Luftangriffe in Syrien fast nie. Zugleich gab das israelische Militär aber bekannt, Reservisten aktiviert zu haben. Die Armee sei in Alarmbereitschaft versetzt worden, nachdem "ungewöhnliche Aktivitäten der iranischen Kräfte in Syrien" verzeichnet worden seien. Zivilisten nahe den Golanhöhen sollten sich auf etwaige Luftangriffe vorbereiten.  

Der Iran hat angekündigt, israelische Angriffe in Syrien gegen iranische Außenposten in dem Land zu vergelten. Die Islamische Republik ist ein großer Unterstützer von Präsident Baschar al-Assad im syrischen Bürgerkrieg. Laut der Nachrichtenseite Ynetnews hat Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman angesichts der angespannten Lage ranghohe Militärs zu einer dringenden Beratung in Tel Aviv versammelt.

Die Ankündigung der israelischen Armee wurde kurz vor der Rede von US-Präsident Donald Trump veröffentlicht, in der dieser den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran verkündete. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begrüßte Trumps Entscheidung. Demnach hätte das Atomabkommen dem Iran ermöglichen können, "binnen einiger Jahre genug Uran anzureichern, um ein ganzes Arsenal von Atombomben zu produzieren", sagte Netanjahu. In der Vergangenheit hatte er dem Iran immer wieder vorgeworfen, heimlich das Wissen für Bau und Gebrauch von Atomwaffen aufbewahrt zu haben.