Die Palästinenser werfen Israel Kriegsverbrechen vor und haben den Fall dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag übergeben. Damit ist ein offizielles Ermittlungsverfahren gegen Israel einen Schritt näher gerückt. Außenminister Riad Maliki forderte die Anklage auf, "unverzüglich" ein Verfahren einzuleiten. Er verwies auf "ausreichend nötige Belege", die ein anhaltendes Verbrechen Israels dokumentierten und eine sofortige Untersuchung rechtfertigten. Chefanklägerin Fatou Bensouda muss nun darüber entscheiden.

Die Palästinenser fordern Ermittlungen um den illegalen Siedlungsbau im Westjordanland und in Ostjerusalem, die mutmaßliche Zerstörung palästinensischer Häuser und das "rechtswidrige Töten von unbewaffneten palästinensischen Demonstranten". Vor einer Woche war es parallel zur Einweihung der US-Botschaft in Jerusalem zu gewaltsamen Auseinandersetzungen im Gazastreifen gekommen, als Demonstranten israelische Sicherheitskräfte attackierten und diese mit scharfer Munition reagierten.

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas warf der israelischen Regierung daraufhin Kriegsverbrechen vor und kündigte an, Israel wegen der Vorfälle vor den Strafgerichtshof bringen zu wollen. Der Internationale Strafgerichtshof hat bereits im Jahr 2015 eine vorläufige Ermittlung zu mutmaßlichen Kriegsverbrechen aufgenommen, die sich auf palästinensischem Territorium ereignet haben. Zu der Untersuchung gehört auch die Überprüfung der israelischen Siedlungspolitik und mutmaßlicher Kriegsverbrechen, die im Gazakrieg 2014 auf beiden Seiten begangen worden seien könnten.

Das israelische Außenministerium nannte den Schritt absurd. In einer Erklärung wurde den Palästinensern Aufstachelung vorgeworfen, Zivilisten würden als "menschliche Schutzschilde" missbraucht. Zudem sei der Gerichtshof nicht zuständig, da Israel kein Mitglied sei. Israel erwarte vom Gericht und seiner Chefanklägerin, "palästinensischem Druck nicht nachzugeben und fortdauernden palästinensischen Bemühungen, das Gericht zu politisieren, zu widerstehen", hieß es in der Erklärung des Außenministeriums.