Während Äthiopien als politische oder militärische Macht schnell unwichtig wurde, waren die Allianzen, die Ben-Gurion mit Ankara und Teheran schmiedete, strategisch von großer Bedeutung. Die Beziehung zwischen Israel und dem persischen Regime des Schahs war eng und natürlich gewachsen. Seit 2500 Jahren existierte in Persien eine jüdische Diasporagemeinschaft, die bestens im Land integriert war. Heute leben im Iran noch knapp 30.000 Juden.

Mit der Islamischen Revolution und dem Sturz des Schahs 1979 änderte sich alles. Revolutionsführer Ayatollah Khomeini erklärte nicht nur die USA, sondern auch Israel zum Feind. In jedem iranischen Pass steht bis heute ein Passus, dass das Dokument für alle Staaten gelte außer für "occupied Palestine" – und damit ist ganz Palästina gemeint, also auch der Teil, der heute international als Kernland Israels angesehen und völkerrechtlich als jüdischer Staat anerkannt ist. 

Die Drohungen aus Teheran sind deutlich

Khomeini begriff schnell, dass der Kampf gegen die Zionisten ein wichtiges Element war, um die Herzen der "arabischen Straße" zu erobern. Die schiitische Islamische Revolution sollte ja irgendwann auch in andere muslimische, sunnitische Staaten exportiert werden, es lag also nahe, sich zum Anwalt der unterdrückten Palästinenser zu machen, die den arabischen Gesellschaften wichtig sind. Anders übrigens als den arabischen Machthabern, für die die Palästinenser stets nur ein Spielball machtpolitischer Interessen waren.
Das gilt zwar auch für die schiitische Führung in Teheran, doch auf deren Weg zum eigentlichen Ziel, die Hegemonialmacht im Nahen Osten zu werden, bedienten sie sich der Propagandamaschinerie geschickter.

Die aktuellen Kriege im Nahen Osten sind inzwischen zu Stellvertreterkriegen in der Konfrontation sunnitischer Staaten, vor allem Saudi-Arabien, mit dem schiitischen Iran geworden. Iran versucht geostrategisch vorzugehen und zwei "schiitische Halbmonde" zu entwickeln. Der eine soll von Teheran über Bahrein bis nach Gaza führen. Der andere, vom Libanon über Syrien und den Irak nach Teheran, ist beinahe vollzogen, jetzt, wo der Krieg in Syrien zugunsten Assads und damit auch des Irans fast entschieden ist. 

Die Drohungen, die der Iran seit Jahrzehnten in Richtung Israel sendet, sind deutlich. Der frühere radikale iranische Premier Ahmadinejad kündigte an, man werde Israel von der Landkarte tilgen, der aktuelle iranische Führer, Ayatollah Khamenei, verkündet regelmäßig ähnliches. Die Tatsache, dass man im Norden und im Süden bereits eine "Grenze mit Teheran" hat, ebenso wie das langjährige Atomprogramm des Iran, sind selbst für linke Israelis Grund genug, die Vernichtungsdrohungen ernst zu nehmen. Im Ausland, vor allem in Europa, sind viele überzeugt, dass eine Nuklearmacht Iran niemals eine Bombe über Tel Aviv zünden würde, weil die Mullahs ja wüssten, dass Israel hundertfach zurückschlagen würde.

Viele Israelis, allen voran Premier Netanjahu, halten diese Beschwichtigungsversuche Europas für wohlfeil. Man hatte auch die Ankündigungen Adolf Hitlers in Mein Kampf für Unsinn gehalten, ein zweites Mal könne sich das jüdische Volk solch ein Fehlurteil nicht erlauben. Das Zünden einer Atombombe über Israel wäre das sichere Ende des jüdischen Staates, das Zünden vieler Atombomben über dem riesigen Persien aber nicht zwangsläufig das Ende des Irans.