Die Ernennung einer neuen italienischen Regierung könnte sich weiter verzögern: Nach Berichten italienischer Medien bestehen Zweifel an der Richtigkeit der Angaben im Lebenslauf des Kandidaten, den die Koalition aus der Fünf-Sterne-Partei und der rechtspopulistischen Lega für das Amt des Ministerpräsidenten vorgeschlagen hat. 

Der Jurist Giuseppe Conte hat in einem insgesamt zwölfseitigen Lebenslauf, den er dem italienischen Parlament vorgelegt hatte (hier als PDF), mehrere längere Aufenthalte an der renommierten New York University (NYU) angegeben. Dort habe er von 2008 bis 2014 seine Studien "perfektioniert und auf den neuesten Stand gebracht". Michelle Tsai, die Sprecherin der US-amerikanischen Universität, teilte jedoch mit, Conte sei zu keinem Zeitpunkt Student oder Mitglied einer Fakultät an der NYU gewesen. Er habe im genannten Zeitraum lediglich die Erlaubnis gehabt, in der Bibliothek der Rechtswissenschaften zu forschen. Außerdem habe Conte einen Juraprofessor der New York University eingeladen, in einer Auswahlkommission eines italienischen Magazins für Rechtswissenschaften mitzuwirken. In seiner Vita gebe der 53-jährige Conte an, an weiteren berühmten Universitäten gewesen zu sein: etwa dem Girton College, der Universität Cambridge und der Pariser Sorbonne.

Die populistische Fünf-Sterne-Partei, die Conte gemeinsam mit der rechtsnationalistischen Lega als Ministerpräsident vorgeschlagen hat, wies den Vorwurf der Beschönigung in Contes Lebenslauf zurück. Parteivertreter erklärten, der Jurist habe nicht behauptet, im Ausland Universitätsabschlüsse gemacht zu haben. Spekulationen, dass Luigi Di Maio, der der Fünf-Sterne-Bewegung vorsteht, das Amt des Regierungschefs übernehmen könnte, verneinten beide Koalitionspartner: "Unser Name bleibt Conte", sagte Di Maio.

Nach der Wahl am 4. März, bei der die Fünf-Sterne-Bewegung mit fast einem Drittel der Stimmen stärkste Kraft geworden war, und darauffolgenden Koalitionsverhandlungen mit der fremdenfeindlichen Lega hatten sowohl Di Maio als auch Matteo Salvini, Chef der Lega, das Amt des Premierministers für sich beansprucht.

Der italienische Staatschef Sergio Mattarella steht vor der Aufgabe, eine neue Regierung zu ernennen. Berichten italienischer Medien zufolge hat sich der Staatspräsident Bedenkzeit erbeten.