In den Sondierungen mit der rechtsextremen Lega Nord hat die populistische Fünf-Sterne-Bewegung vorgeschlagen, eine neutrale Person an die Spitze einer gemeinsamen Regierung zu setzen. Das sagte Vincenzo Spadafora dem Corriere della Sera. Spadafora ist ein Vertrauter des Fünf-Sterne-Chefs Luigi Di Maio.

Spadafora sprach von einer "dritten Person mit hohem Ansehen, die das Vertrauen sowohl der italienischen Bürger als auch der internationalen Partner genießt". Wenn alles gut laufe, könne die Regierung kommende Woche vereidigt werden. Die Fünf-Sterne-Bewegung gehe mit dieser Option auf Präsident Sergio Mattarella zu, der eine Regierung aus unabhängigen Experten bevorzugt.

Bis Sonntag muss eine Lösung gefunden sein

Mattarella hat bei der Regierungsbildung das letzte Wort. Er hat den beiden euroskeptischen Parteien Aufschub bis Sonntag gegeben, um in ihren Sondierungen doch noch zu einem Ergebnis zu kommen. Seit der Parlamentswahl vor mehr als zwei Monaten versuchen die Fünf-Sterne-Bewegung und die Lega Nord, eine Regierung zu bilden. Am Montag hatte Mattarella die Regierungsbildung für gescheitert erklärt. Doch dann hatte am Mittwoch der frühere Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit dem Verzicht einer Regierungsbeteiligung seiner Partei Forza Italia den Weg für ein Bündnis aus Lega und Fünf Sternen freigemacht. 

Forza Italia und Lega Nord hatten für die Parlamentswahl am 4. März eine Allianz geschmiedet und wurden stärkste Kraft. Allerdings reichte es weder für sie, noch für die Fünf Sterne, die wiederum stärkste Einzelpartei wurden, zu einer absoluten Mehrheit. Fünf-Sterne-Chef Di Maio hatte eine Regierungsbeteiligung der Forza Italia allerdings kategorisch abgelehnt, Berlusconi hatte bis Mittwoch auf einer Beteiligung bestanden.

Offen blieb zuletzt die Frage, wer eine Regierung aus Fünf Sternen und Lega Nord führen sollte, Di Maio oder Lega-Chef Matteo Salvini. Di Maio hatte sich bereit erklärt, auf das Amt des Regierungschefs zu verzichten.